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Theodor Berger Die Voruntersuchung

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

Die Voruntersuchung.

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Ein Beispiel, wie nicht gegen einen Untersuchungsgefangenen, der unter der Last des furchtbaren Mordverdachtes seufzt, verfahren werden soll, gibt folgende* Vorgehen des Untersuchungsrichters:

Es hatte die Gefängnisdirektion gemeldet:

„Der Untersuchungsgefangene Theodor Berger ist nachts oft unruhig, er verläßt sein Bett und macht sich sein Lager quer vor der Zellentür zurecht, aus Vorhalt gibt er unverständliche Antworten.

gez. Stein, Inspektor."

Das Verhalten des „Untersuchungsgefangenen Theodor Berger" dürste verständlich sein:

Entweder war er der Mörder; dann mochte er des Nachts von den Erinnyen verfolgt werden und infolge von Gewissensbissen keine Ruhe in seinem Bette finden.

Schon Shakespeare hat die nächtliche Unruhe eines Mörders in der Gestalt der Lady Makbeth gezeichnet.

Oder aber, er war unschuldig; dann ist es begreiflich, daß ihm nachts der Wahnsinn ins Gehirn kroch, wenn er in der vergitterten Zelle erwachte und sich überlegte, daß er bei einem Justizirrtum dem Beil des Henkers zum Opfer fallen könnte.

Eine Dosis Brom wäre das geeignete Mittel gewesen, den aufgeregten Mann zu beruhigen.

Statt dessen hat der Untersuchungsrichter Dr. Maßmann folgendes wörtliche Schreiben an die Gefängnisdirektton erlassen:	-

„Nach dem vollständig klaren Eindruck, den Berger bei seinen Vernehmungen auf mich gemacht, und den vernünftigen Briefen, die er schreibt, liegt nt. E. kein Anhalt für die Annahme vor, daß Berger geistesgestört ist.
        
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