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Theodor Berger Die Polizei

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

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Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

nur von den Zeugen, aber nicht vom Angeklagten, denn dieser kann überhaupt seine Aussage verweigern.

Nicht einmal, sondern hundertmal erlebt man es, daß die Zeugen bei Vorhalt des polizeilichen Protokolls, das bekanntlich nicht verlesen werden darf, einfach starr sind und erklären: „Das haben wir nie im Leben gesagt."

In einer Kuppelsache war die Inhaberin eines Privatlogis, und zwar desjenigen, welches durch das Lied vom Manzanares eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, wieder beschuldigt, ihre schützende Hand über liebebedürftige Pärchen gehalten zu haben.

Eine junge Dirne war von der Polizei vernommen worden und hatte bekundet, daß sie bei dieser Wirtin wundermild „abgestiegen" wäre.

In der Hauptverhandlung stellte sich folgendes heraus:

Die Zeugin hatte dem Kriminalwachtmeister gesagt, sie wäre in einem Hause am Schifsbauerdamm abgestiegen, woraus der Beamte gemeint hatte: „Na, das wird wohl die und die Wirtin gewesen sein" und einfach positiv protokollierte, daß das Mädchen dort ein Schäferstündchen verlebt hätte, natürlich in bester Aberzeugung von der objektiven Richtigkeit.

Im Mordprozeß Berger war ein ganzes Heer von Polizeibeamten in Bewegung gesetzt worden.

Alle vereinigten sich im Gerichtssaal nun als Zeugen, um das Belastungsmaterial gegen den Angeklagten zusammenzutragen.

Es ist ein großer Mangel der Strafprozeßordnung, daß es in ihrem Rahmen möglich ist, die im Vorverfahren als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft tätigen Polizeiorgane als Zeugen fungieren zu lassen.

Mit Ausnahme des Kommissars Wannovski, welcher sich bemühte, objektiv zu bleiben, habe ich in der ganzen
        
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