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Theodor Berger Kinderaussagen

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

Kinderaussagen.

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Szene; Berger schrie laut in den Saal hinein: „Das ist jct eine Lüge von dem Kind", sogar der Vorsitzende hielt dem Mädchen vor, daß die Bekundungen offenbar Phantasien wären, woraus das Mädchen ausdrücklich zugab, gelogen zu haben.

Warum sie gelogen, konnte sie nicht aufklären.

Wer die Kindesseele kennt, braucht nicht lange nach

des Rätsels Lösung zu suchen.

Kinder machen sich gern wichtig und haben eine überschwängliche Phantasie; der Mord an der kleinen Lucie war Tagesgespräch im Norden; das Kind hatte irgend einen gleichgültigen Mann mit einem Mädchen gesehen (vielleicht 23etter und Xochter!), dachte sich die Düte hinzu und komponierte eine interessante Begegnung zwischen Berger und Lucie Berlin. Vielleicht hatten auch die Eltern, gelockt von der Belohnung, die

entscheidenden Noten gesetzt.

Jedenfalls war es ein gefährlicher Moment für

Berger.

Wenn das Kind fest bei seiner Aussage blieb, war diese eventuell entscheidend. Denn bei allen Sittlichkeitssachen ist die Volkswut auf das äußerste aufgerührt:

„Es rast der See und will sein Opfer haben."

Unter der Lupe dieses großen Sensationsprozesses, auf den alle Welt blickte, erschienen die Kinderaussagen als das, was sie gewöhnlich sind, nämlich ein ungeordnetes Gemisch von Wahrheit und Dichtung.

Anders aber werden sie von den Richtern in kleineren Sachen bewertet, besonders in Sittlichkeitssachen.

Oft wird aus die Aussage sechs bis zehnjähriger Kinder ein Mann zu harten Zuchthausstrafen verurteilt.

Wenn die kleinen Dinger richtig gefragt, d. H. in diesem Falle überhaupt nicht gefragt werden, wenn man
        
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