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Theodor Berger Das Zeugenmaterial

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

20 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

in dem „Zuhälter" Berger einen Mensch sah, der, schuldig oder nicht, wegen seines sonstigen Sündenkontos für diese Welt unschädlich gemacht werden müßte.

Hätte ich eine Ahnung von diesen hochkirchlichen Ämtern gehabt, so würde ich den Herrn als Geschworenen abgelehnt haben!

Man glaubte also dieser Zeugin, und zwar, weil sie, wie mir der „Obmann" erklärte, einen Lid geleistet hatte und unter diesem Zwange die Wahrheit sagen würde.

Was bedeutet aber ein Eid für die durch alle Schulen des Lasters gegangene Dirne?! Noch dazu, wo sie nach Rache förmlich lechzte, weil sie von Berger während ihres Aufenthalt „in Barnim" (b. h. in dem Frauengefängnis Barnimstraße) mit einer „Nutte" (jugendlichen Dirne) betrogen worden war.

Auch die Belohnung, deren unmoralische Wirkungen ich bereits berührt habe, kann Meineide erzeugen.

Ganze Bände sprach die Aussage der Zeugin Röder in dieser Hinsicht.

Sie wollte Berger in der Nacht, als die Tat verübt wurde, am Schlütersteg an der Spree in Begleitung eines Hundes gesehen haben.

Auf dem Polizeipräsidium erregte die Meldung dieser Zeugin natürlich und mit Recht Sensation.

Hatte doch ein lebender Mensch den Lustmörder an einer Stelle gesehen, wo die Leichenteile nachher von dem Abfischer gesunden worden waren. Sie beschrieb ihn ganz genau und betonte noch besonders, daß er sich in Begleitung eines Spitzes befunden hätte. (Die Zeitungen hatten sehr viel über den Hund der Liebethrut geschrieben, aber die Rasse nicht genannt.)

Die Aussage war an Bestimmtheit ein rocher de bronce.
        
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