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Theodor Berger Das Zeugenmaterial

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

Das Zeugenmaterial.

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So gibt es denn leider eine ganze Reihe „schwurfester" Leute, welche den Eid sehen möchten, den sie nicht schwören können.

Aber es gibt leider auch viele Richter, welche sich von solchen Menschen täuschen lassen, weil sie die moralische Gewalt des Eides überschätzen.

Man sollte es daher möglichst vermeiden, aus die Aussage eines einzigen Zeugen hin, zu verurteilen.

Theodor Berger hat sich nach seiner Bestrafung die Finger ttmnd geschrieben mit Anzeigen gegen Zeugen, die er für meineidig hielt.

Das Zeugenmaterial in diesem Prozesse war auch ein unglaubliches, auf tiefstem, sittlichen Niveau stehendes: Seine Geliebte, die vielbesungene Dirne Liebethrut mit ihrer vom Laster zertrümmerten Nase, der Mulattenalb ert, der dem Präsidenten erklärte: „Er müsse jemandem vor den Kopf schlagen, wenn er den Luden der Liebethrut sähe", die Dirne des Lenz, Frau Seiler.

Man glaubte nicht in Berlin, sondern in Withechapel zu sein, wenn man diese Produkte des Großstadt-schlammes sah.

Aber auch sie leisteten Mann für Mann ihren Eid „bei Gott dem Allmächtigen" und schlossen ihn: „So wahr mir Gott helfe."

Man glaubte aber auch diesen „beschworenen" Aussagen, denn die Behauptung der Liebethrut, der Korb, in welchem die Leichenteile der ermordeten Lucie Berlin im Strome treibend, gefunden wurden, sei ihr Eigentum, war entscheidend für Bergers Verurteilung.

Ich weiß dies aus bester Quelle, nämlich von dem Obmann der Geschworenen selber, welcher unglücklicherweise Inhaber aller möglichen kirchlichen Ehrenämter war und infolge seiner streng gottesfürchtigen Gesinnung
        
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