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Theodor Berger Der Mordprozess Berger

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

12 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

des Kindes, das stückweise Auffinden der Seitenteile im Flusse, alles vereinigte sich, um einen einzigen Racheschrei der Bevölkerung zu entfesseln.

Findet die Polizei nicht irgend ein verdächtiges Individuum, so wird ihr, und zwar meist mit Unrecht vorgeworfen, daß sie nichts tauge, es ist daher rein menschlich begreiflich, daß sie alles aufbietet, um Belastungsmaterial zusammenzutragen; zumal sie doch nicht den Nichterspruch zu fällen, sondern lediglich das Verfahren vorzubereiten hat; sie kann sich daher auch bei recht dünnen Indizien damit trösten, daß sie ja nicht die juristische Suppe auszuessen und die Verantwortung zu tragen hat.

Dazu Kommt die Aussicht auf die Belohnung!

Angesehene Kriminalkommissare haben mir ihr Bedauern über diese Institution ausgesprochen; es ist Kopfgeld, wenn auch in verfeinerter Form.

Die Polizei tappte im Falle Berger zunächst völlig im Dunkeln; sie verwendete sogar Berger zunächst als Vigilanten gegen den ihr verdächtig erscheinenden Lenz. Dieser war der Zuhälter einer in demselben Hause, wie die Berlins, wohnender übelbeleumdeten Dirne, welche mit ihrem mausegrauen Amschlagetuch und Filzparisern im Gerichtssaal erschien und wie eine Verkörperung des trostlosen, resignierten Nordens aussah.

Allmählich lenkte sich der Verdacht auf Berger, weil der Korb, in welchem sich der Rumpf der Lucie Berlin, in den Wassern der Spree treibend, gesunden hatte, feiner Geliebten, der Liebethrut gehören sollte.

Von nun an wurde jeder seiner Blicke aus das schärfste beobachtet.

Bei der Verhandlung sagte einer der Polizeibeamten aus, daß er ihm die Tat aus den Kops zugesagt hätte, da wäre Berger plötzlich leichenblaß geworden. Dies sei ein Beweis seiner Schuld.
        
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