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Theodor Berger Einleitung (Der Verteidiger),

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

8 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

Denn ohne Daumschrauben, spanische Stiesel, Ausrecken von Gliedern auf der Leiter hat selbstredend keine den unsittlichen Verkehr mit dem Teufel zugegeben, zumal alle behaupteten, seine Genitalien seien kalt wie Eis gewesen.

So sind auch unsere Juristen ein Produkt unserer Zeit, wobei sie leider noch den alten Wust längst vermoderter Anschauungen mit sich schleppen:

„Es erben sich Gesetz und Rechte, wie eine ewge Krankheit fort,

Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage,

Weh dir, daß du ein Enkel bist."

Der Verteidiger ist nun dazu da, die modernen humanen Anschauungen zur Geltung zu bringen, er steht mit dem Volke in ständiger Berührung, kennt vor allem deshalb den Kampf ums tägliche Brot aus unmittelbarer Anschauung und weiß, daß gegenüber den Versuchungen, welche der harte Daseinskampf mit sich führt, das große Wort viel mehr beachtet werden müßte: „tout comprendre, c’est tout pardonner (Alles begreifen, heißt alles verzeihen)."

Es gibt aber auch Richter, die den Angeklagten von vornherein als einen überführten Verbrecher ansehen und die Verhandlung wesentlich im Sinne der Belastung führen.

Wir haben mit Ingrimm und Schmerz das Walten des irrsinnig gewordenen oder vielmehr lange irrsinnig gewesenen Direktors Vrausewetter ansehen müssen.

Nach glaubwürdiger Angabe von Referendaren, die unter seinem Regime gearbeitet haben, betrat er das Beratungszimmer bisweilen mit den inhaltsschweren Worten: „Nicht mehr, meine Herren, 4 Jahre Z.", womit er 4 Jahre Zuchthaus meinte.
        
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