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Wilhelm Voigt der Hauptmann von Köpenick Der Lebenslauf des Hauptmanns von Köpenick

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

Der Lebenslauf des Hauptmanns von Köpenick. 113

jener Form mich zu vergreifen oder bewiesenes Vertrauen zu mißbrauchen.

Dann hatte ich ein unbedingtes Vertrauen zu unfern Richtern und habe dieferhalb manchen harten Strauß mit meinen Leidensgefährten ausgemachten.

Das Urtheil von Gnefen hat das Alles über den Haufen geworfen. Wie die spätere Untersuchung ergeben ist es durch Rechtsbeugung erlangt und die jahrelange vergebliche Bemühung es zu repariren hatte den Entschluß mich persönlich an den Urhebern dieses zu rächen gezeitigt ich war innerlich in mancher Beziehung ein Anderer geworden.

Ich will mich kurz faßen: Ich hatte, ein freies und offenes Geständniß abgelegt bis in die kleinsten Einzelheiten, ich hatte 2. im kritischen Augenblick meinen Gefährten vom Gebrauch der Waffen zurückgehalten, ich war 3. wie sich herausgestellt hatte von den Beamten und Gefangenen in gemeinsamer Arbeit bestohlen worden. 4 mußte nach Lage der Dinge das fehlende Geld sich in den Taschen der gegenwärtigen Personen befinden und diese Personen hatten in der Voruntersuchung Aussagen gegen uns gemacht die bei der Aburtheilung benutzt worden sind.

Der Gerichtshof hat jedoch die Bestimmungen des Strafgesetzbuches zu 1 ignorirt beweisen die 15 Icihre und die der Strafprozeßordnung ebenso, bewiesen durch den Wegfall der ganzen nicht einzelner Zeugen Vernehmung ohne meine Zustimmung und zwar weil er sich sagen mußte daß eine Vernehmung der Zeugen nothwendig zu einer Anklage derselben führen mußte das waren aber Beamte so wurde ich der Möglichkeit einer erfolgreichen Vertheidigung beraubt und mir ohne dieselbe mein Urtheil gesprochen. Ich wollte versuchen das Urtheil umstoßen zu laßen bei meiner Unkenntniß der anzuwendenden Rechtsmittel beantragte ich sofort ein Wiederaufnahmeverfahren, der Gerichtsschreiber verfügte sich aber erst nach 9 Tagen zu mir und befragte mich und als ich ihm dann meine Wünsche erläuterte, erklärte er mir mit dürren Wprten meine Gründe bedingten eine Revision nicht aber ein Wiederaufnahmeverfahren, ich hätte aber keine Revision beantragt und die gesetzliche Frist von 7 Tagen sei bereits verstrichen. Da saß ich nun, Hilfe hatte ich keine, selbst rathen konnte ich mir nicht und so wanderte ich zum zweitenmale der Strafanstalt zu. ich hatte damals mit meinem Leben abgeschlossen, an eine Rückkehr in die Freiheit glaubte ich nicht, eine Verbindung mit meinen Geschwistern suchte ich nicht, ich war lebend und doch für die Außenwelt gestorben, erst nach langen Iahren raffte ich mich aus meiner Lethargie auf und führte den Kampf mit der Strafkammer

Grotzstadt-Dokumente Bd. 42.	8
        
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