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Wilhelm Voigt der Hauptmann von Köpenick Der Lebenslauf des Hauptmanns von Köpenick

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

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110 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

folgend wollte ich Kehrt machen allein ich bezwang mich und fragte nach meiner Stiefmutter sie war im Felde und wurde geholt. Es lag wie ein Alp in unsrer Stube von meiner verstorbenen Mutter kein Wort, von meinen Zukunftsplänen kein Wort ich war ein Fremder im Vaterhause.

Nachdem ich meine Stiefmutter begrüßt machte ich verschiedene Besuche bei Verwandten und Bekannten und kam auch zu der intimsten Freundin meiner Mutter der Frau eines Stein-setzermsters und von sehr achtbaren Eharacter. Diese erkannte mich sofort und gleich nach der Begrüßung erzählte sie mir eine schreckliche Geschichte über den Tod meiner Mutter.

Nach ihrer Darstellung war meine Mutter nicht am Gehirnschlage gestorben, sondern infolge erlittener Mißhandlung durch meinen Vater. Derselbe wäre um 11 Uhr nach Hause gekommen und hätte Geld verlangt die Mutter hat es ihm aber nicht gegeben sondern sich vor die Kommode in der das Geld lag gestellt mein Vater hätte sie nun geschlagen und gestoßen und dann sei die Mutter lang hingeschlagen und todt dagelegen, ein Trompeter hätte den Vorgang durchs Fenster angesehen meine Pflicht schloß sie sei es nun die Todte ausgraben zu lassen durch ärztliche Untersuchung die That feststellen zu laßen und die Sache dann weiter zu verfolgen daß ich daß nicht thun konnte liegt auf der Hand.

Ls war ein schwerer Gang für mich zum Kirchhof an das Grab meiner Mutter und schwere Stunden die ich dort verbracht erst spät in der Nacht kehrte ich heim und begab mich zu Bett ich mochte meine dicken Augen nicht sehen laßen.

Als ich am andern Tage mich zur Abreise rüstete war meine Stiefmutter ganz bestürzt und fand keine Erklärung für mein Thun, der Vater schien jedoch erfreut und so blieb es denn bei meinem Willen. Als ich nun die Adreße meiner Schwester Auguste wißen wollte erklärte mein Vater die könne er mir nicht geben sie hätte sich mit einem Kaufmann verheiratet und wäre nach München verzogen, den Namen meines Schwagers wiße er nicht, er wolle mir aber später Mittheilung darüber machen, ich habe ihm damals geglaubt und mich beruhigt. Seit Mai dieses Jahres weiß ich daß er mich belogen hat, er wollte mich und meine Schwester nicht zusammen kommen laßen. Warum??? So nahm ich denn Abschied und zog zum 2. male hinaus in die Fremde aus der Fremde denn eine Heimat hatte ich nicht mehr, die ruhte im Grabe meiner Mutter.

Mein Weg führte mich zunächst nach Erfurt ich hatte dort bei Lingel Stellung angenommen und als ich in Berlin an-kam suchte ich meine Schwester Bertha in ihrer Wohnung aus, die hatte sie aber leider seit 14 Tagen verlaßen und auf einer
        
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