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Wilhelm Voigt der Hauptmann von Köpenick Der Lebenslauf des Hauptmanns von Köpenick

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

Der Lebenslaus des Hauptmanns von Köpenick.

Berlin den 3. Novbr. 1906.

An

Herrn Rechtsanwalt Bahn. hier.

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! nßrem gegen mich geäußerten Wunsche folgend, erlaube ich mir Anen hiermit -in- kurze Skizze meine- Leben» zu zeichnen und zu übersenden.

Zunächst meine Familie Mein Vater hatte seine Mlitairdienstzeit bei dem Jnfanteriergt Nr 41 in Pillau verbracht, war als Unteroffieier entlaßen und bat sich in Tilsit, nach Ablegung einer ordentlichen Meister-Prüfung als Schuhmachermstr. niedergelaßen und in ordnungsmäßiger Weise das Bürgerrecht in Tilsit erworben, in welchem Jahre seine Verheirathuug erfolgt ist weiß ich nicht geuau ich wurde am 13. Februar 1849 geboren während mein Vater den Feldzug in Baden, unter dem Prinzen Wilhelm mitmachte. Außerdem hatten meine beiden Großväter, die Feldzüge von 1813 bis 1815 mitgemacht. Es ist begreiflich, daß die Unterhaltungen die meine Angehörigen führten, sich viel um ihre Erlebniße in den Feldzügen drehten und ich sozusagen die Liebe zu Ktfnigimd Vaterland mit der Muttermilch einsog, dazu kam noch daß ich unmittelbar der Kaserne des lithauischen Dragoner Rg^ gegenüber wohnte und meine ersten Reitübungen auf den Pferden der Dragoner machen durfte, war es auch dem Reglement zu wider so wurde es doch in liebenswürdiger Werse von den Offi-eiern übersehen und geduldet, denn ich kann sagen die Herren hatten mich kleinen Kerl gern und so ist es gekommen daß ich im kleinen Waldersee beßer Bescheid wußte als im Katechisrnus und diese in der Jugend gewonnene Anhänglichkeit an die Armee bat mich mein ganzes Leben lang nicht mehr verlaßen und ich habe alle Veräuderuugeu die in der Heeresverwaltung vor sich ainaen, selbst in den Zeiten meiner größten Schmach, mit dem-selben Intereße verfolgt, wie der beste Offieeier und mit viel lei ) eben so großem Verständniß Die Person die wohl am Meisten zu meinem späteren inneren Leben gethan hat war mern Onkel,
        
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