Path:
XV. Die nationale und soziale Bedeutung der unehelichen Mutterschaft

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XV. Die Bedeutung der unehelichen Mutterschaft. 9t 
Geisteskranken liefern, — kurz im Caufe der Zeit sich 
unter die ausgesprochen Antisozialen einreihen. 
Dazu kommt, daß die Sterblichkeit der unehe¬ 
lichen Rinder die der ehelichen in enormer Meise über¬ 
trifft. 3m Dahre \90^ starben insgesamt 39?78\ 
Säuglinge, von diesen waren 52 809 eheliche und 
3^ 792 uneheliche, d: h. auf \00 eheliche Ge¬ 
burten entfielen im Säuglingsalter 
J8,6, a 11 f \00 uneheliche 3^ Todesfälle!!! 
5 a st ein volles Drittel der unehelich G e ° 
borenen stirbt in dem ersten Lebens¬ 
jahr!!! Dem gegenüber erweist es sich als zweifel¬ 
los, daß die unehelichen Kinder von Natur aus 
nicht schwächer veranlagt sind als die ehelichen. Um 
nur eine von vielen nach dieser Richtung hin unter¬ 
nommenen Untersuchungen anzuführen, nenne ich die aus 
der jüngsten Zeit stammende Arbeit von N 0 s e n f e 1 d,*) 
der auf Grund des Materials der gesamten österreichi¬ 
schen Rronlande nachzuweisen vermochte, daß die Mehr- 
sterblichkeit der Unehelichen nicht auf ihrem (Organis¬ 
mus innewohnenden Ursachen, sondern a u s f ch 1i c ß * 
l i ch auf der unzureichenden Pflege und Ernährung beruht. 
Diese Auffassung findet sich u. a. in den Untersuchungen 
von N e u m a n n ,**) denen speziell Berliner Ver¬ 
hältnisse zugrunde liegen, und denen von Spann ,***) 
der das Frankfurter Material bearbeitete, in ein¬ 
wandfreier Meise dadurch bestätigt, daß die erschreckende 
Sterblichkeit der unehelichen Säuglinge nicht etwa unter¬ 
schiedslos alle die unehelich Geborenen betrifft, son¬ 
dern je nach den äußeren Verhältnissen, 
unter denen sie leben, eine ganz verschiedene ist. Unter 
den sogenannten Haltekindern ist die Sterblichkeit 
die größte, bei den Rindern, die unter der Obhut der 
unverheiratet bleibenden Mutter aufwachsen, 
*) Die Mehrsterblichkeit der unehelichen Kinder. — Iahrb. 
f. Rinderheilk. Bd. 63. 
**) a. a. (D.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.