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XIV. Typen

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

86 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

und kam sofort in einer Asbestnäherei in Schöneberg an. 3ch war hier redlich bemüht, doch gelang es mir nicht, mich einzuarbeiten, so daß ich nur einen täglichen Verdienst r>ou einer Mark hatte, wovon noch zwanzig psermig Fahrgeld abgingen. Noch einmal bemühte ich mich, in meinen alten Beruf wieder hineinzukommen, wendete mich an verschiedene größere Firmen, doch alles umsonst — es scheint mir eine Unmöglichkeit, auf geradem Wege überhaupt noch in geordnete Verhältnisse zurückzukommen. freute bin ich so weit, daß ich auch nicht mehr die elementarsten Existenzmittel für den nächsten Monat besitze. Meine heiße Bitte geht dahin, mir doch Rettung zuteil werden zu lassen in Form irgend einet: lohnenden Arbeit, sei es zu liause oder in einem Geschäft oder Bureau. Die krasse Not, in der ich mich befinde, ermöglicht es mir auch nicht entfernt, für mein Kindchen zu sorgen . . . ." Der Vetter des Kindes, mit dem der gerichtlich bestellte Vormund wegen der Alimente prozessiert, hat seinem Opfer brieflich mitgeteilt, daß er vor Gericht die Vaterschaft leugnen würde, falls sie nicht dafür sorgte, daß der Vormund die Klage zurücknimmt und sich mit den gutwillig gebotenen \0 Mark monatlichen Alimenten begnügt.---------

8. €in junges Mädchen von 1(8 fahren war als Wirtschafterin in den Dienst eines fjerrn getreten, der zu den tugeudsameu Llitebürgern einer kleineren Stadt gehörte und 55 IZahre alt war. Das hinderte ihn indessen nicht, das unerfahrene, seinem Schutz unterstellte Mädchen zu verführen, und als das Verhältnis niebt mehr unbekannt bleiben konnte, die Waise eiligst nach Berlin zu schicken. Er versprach ihr, in wenigen Tagen nachzukommen und sie hier in Berlin zu versorgen. Natürlich ließ er sich nicht blicken und antwortete auf die jammervollen Briefe des geängstigten Mädchens nichts.

9- vor kurzer Zeit wurde vor dem Hamburger Gericht der Lall Sch.-Bl. verhandelt: (Ein schlankes, blondes Mädchen, kaum ^8 IZahre alt, die Verkäuferin Helene Sch., saß des Kindesmordes angeklagt auf der An-
        
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