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XIV. Typen

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XIV. Typen

\. Line junge Lisenbahnbeamtin hatte mit einem älteren Studierenden ein Liebesbündnis geschlossen, das nach mehreren Monaten von ihm gelöst wurde. Erst nach ihrer Trennung fühlte sie, daß sie Mutter wurde, indessen war sie zu stolz, sich dem Vater ihres Rindes zu entdecken. Aus dem Amte gejagt, von den Eltern ver-stoßen, machte sie eine bittere Schule des Leides durch. Bei einer Ljebeamme, die ihr die wenigen ersparten Groschen abnahm, entbunden, mußte sie, noch ganz erschöpft, den Kampf ums Dasein aufnehmen. Das Rind brachte sie notgezwungen zu einer der bekannten „halte-frauen" (die ihren Namen bekanntlich daher führen, daß von ihnen nichts zu halten ist). Dort wurde das arme wurm arg vernachlässigt; die Mutter selbst fand, lange Aeit wegen ihres leidenden Aussehens zurückgewiesen, endlich Stellung als Kassiererin in einem Warenhaus. 2Tiit dem ersten zurückgelegten Gelde suchte sie für ihr Rind eine bessere Pflegestelle. Darüber erbost, drohte die bisherige „Pflegemutter" Rache, die nicht lange auf sich warten ließ: Dn dem Geschäft, in dem das 2t(ädchcn gerade erst nach vielen Mühsalen sich eine Existenz geschaffen und allgemeine Zuneigung erworben hatte, erschien die niederträchtige Person, um allen Kolleginnen des jungen Mädchens zu erzählen, daß es ein Kind besitzt usw. Bei der bekannten Gehässigkeit solcher „Mitarbeiterinnen", die selbst in ihrer Gesinnung und Lebens-führung vielleicht tief unter dem beklagenswerten Mädchen stehen, war für dieses des Verbleibens nicht länger, obwohl der Chef des Hauses ihr keine Schwierigkeiten in den weg gelegt hätte. Die Aermste mußte ihren Stab
        
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