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XIII. Was wird aus der unehelichen Mutter? **

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XIII. was wird aus der unehelichen Mutter? 79

ernsten und starken Liebe geworden war.*) Hier bedeutet die uneheliche Mutterschaft selbstverständlich nicht schon ein Symptom einer minderwertigen prädisponiern, sondern sie wird erst durch die Schuld der Menschen und der Gesellschaft zur Ursache des nachfolgenden durch wirtschaftliche Not erzwungenen Niederganges. Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es natürlich auch hier zahlreiche Mischformen, von denen nur auf die eine verwiesen werden mag, die von denjenigen unehelichen Müttern gebildet wird, welche in voller Ueberlegung aus einem starken willen und Verantwortlichkeitsgefühl heraus sich aller von Unverstand und Vorurteil geschmie-beten Fesseln entledigt und ihr Schicksal selbst gestaltet haben. Für solche Mütter bedeutet das uneheliche Rind nicht eine Schädigung, sondern, wenigstens in ideeller Hinsicht, einen unvergleichlichen Wert, dem sie erst die volle Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu danken haben. Und auch auf manches vordem oberflächliche und halt lose Mädchen übt die Existenz eines unehelichen Rindes einen vortrefflichen erzieherischen und charakterbildenden Einfluß aus, der gar nicht selten eine völlige Umwandlung der ganzen Persönlichkeit zur Vertiefung und Reifung zur Folge hat. Daß uneheliche Mütter aus „guten" Kreisen später noch heiraten, dürfte eine große Seltenheit fein. Bei den unehelichen Müttern niederer Stände ist es die Regel. Da ist erstens zu bedenken, daß es sich hier überaus häufig um ein ernsthaftes, nicht sowohl u n eheliches wie vor eheliches Verhältnis handelt, das sofort (und erst recht, wenn ein Rind da ist) durch die Ehe legitimiert wird, sobald die wirtschaftlichen Verhältnisse es nur einigermaßen gestatten, von denjenigen unehelichen Müttern aus diesen Kreisen, die nicht den Vater ihres Rindes heiraten, verehelicht sich ungefähr die Hälfte mit anderen Männern, mitunter schon nach einigen Monaten, meist aber innerhalb der ersten 5—8 Dahre.

*) vgl. meinen Bericht „Aus unsern bisherigen Erfahrungen und Erfolgen" a. a. (D.
        
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