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XIII. Was wird aus der unehelichen Mutter? **

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XIII. Was wird aus der unehelichen Mutter? »

Es ist selbstverständlich, daß die Frage nach dem künftigen Schicksal der unehelichen Mutter eine allge-meingiltige Beantwortung nicht zuläßt, vielmehr von Lall zu Lall eine besondere Entscheidung verlangt, die im wesentlichen von den sozialen und psychologischen Voraussetzungen abhängt, unter denen die uneheliche Mutterschaft zustande kommt. Und es leuchtet ebenso ein, daß die uneheliche Mutterschaft einen um so gewichtigeren Wendepunkt in dem Ceben der Mutter bedeutet, je höher die soziale Sphäre ist, der sie entstammt. Für die uneheliche Mutter aus proletarischen Kreisen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder das Ereignis stellt einen harmlosen Zwischensall dar, der ihre moralische Existenz überhaupt nicht gefährdet und sie wirtschaftlich wenigstens nicht allzusehr belastet, oder aber es bedeutet einen entscheidenden Eingriff in ihre ganze Persönlichkeit und Lebensführung und drängt sie in diesem Falle nicht selten auf den Weg zur Prostitution. Das sind die beiden Extreme, zwischen denen natürlich Uebergänge in Fülle existieren. Für die uneheliche Mutter aus höheren Ständen scheidet die erste der für die Mädchen aus unteren Schlichten vorhandenen Möglichkeiten so gut wie immer aus, und die Holle, die die Geburt des unehelichen Kindes für sie spielt, ist dabei im wesentlichen auch eine zwiefache. In manchen Fällen konnte die uneheliche Mutterschaft bei den Mädchen höherer Stände nur dadurch zustande kommen, daß eine minderwertige Veranlagung sie leichtfertig und ohne ernsten sittlichen l^alt werden ließ. Dann stellt das Ereignis natürlich bereits ein Symptom
        
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