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XII. Die rechtliche Stellung der unehelichen Mütter

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XII. Die rechtliche Stellung der unehelichen Mütter. 75

mit der Mutter verke hrt hat. Nur dem ober-sachlichen Beurteiler kann diese Bestimmung gerecht erscheinen. Denn erstens wird das aus alle Fälle schuld-lose Kind bis zur Existenzunmöglichkeit geschädigt, und zweitens muß man wissen, wie eine zweite Beiwohnung der Mutter in manchen Fällen zustande kommt, um die unerhörte Ungerechtigkeit dieses Gesetzes auch der 21Iutter gegenüber zu begreifen. Es sind mir persönlich mehrere Fälle bekannt, in denen jemand, als er Grund zu der Annahme hatte, daß sein Verkehr mit einem von ihm verführten Mädchen „Folgen" haben wird, einen guten Freund veranlaßte, sich das betreffende Mädchen ä tout prix ebenfalls gefügsam zu machen, um auf diese weise, gestützt auf jenen Paragraphen, von allen Verpflichtungen befreit zu werden. Und wie oft wird die sogenannte „exceptio plurium" lügnerisch erhoben! <£s sind gerade die besten Mädchen, die dann über diesen von dem Vater ihres Rindes etwa erhobenen Einwand so grenzen-los erbittert, so in ihren heiligsten Gefühlen verletzt wer-den, daß sie nur den einen Wunsch haben, nichts mehr von dem Manne zn hören, dem sie ihr Bestes geopfert haben, und der ihre Ciebe nun in den Kot tritt; sie geben ihre Ansprüche auf, und jener hat seinen niedrigen Zweck erreicht. Aber auch abgesehen von diesem § \7\7 erweist sich das Gesetz über die Alimentationspslicht, von seinem unzulänglichen Inhalt ganz abgesehen, oft illusorisch. Entweder nämlich ist der Vater des Kindes zahlungsunfähig und eine Klage von vornherein aussichtslos, oder der Beklagte leugnet zunächst überhaupt jeden Verkehr mit der unehelichen Mutter, oder wenn er ihn schließlich zugeben muß, macht er, um den Prozeß in die Länge zu ziehen, alle denkbaren formalen Schwierigkeiten, was ihm ja umso leichter fällt, als er meist die dadurch etwa entstehenden Mehrkosten gar nicht empfindet; und sind auch alle seine Einwendungen Lüge, so erreicht er mit ihnen doch, daß die unglückliche Mutter, den monatelangen Aufregungen und Kränkungen nicht gewachsen, mürbe wird und den Prozeß um jeden preis
        
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