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XII. Die rechtliche Stellung der unehelichen Mütter

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XII. Die rechtliche Stellung der unehelichen Mütter. 73

Gesetzesbestimmungen eine schreiende Ungerechtigkeit, die umso größer ist, wenn man bedenkt, daß auch eine eheliche Mutter, der die elterliche Gewalt ohne weiteres eingeräumt ist, ungeheuer oft es weit mehr an Liebe und Interesse, an sittlicher Neise und erzieherischen Fähigkeiten fehlen läßt, als viele uneheliche Mütter. Für Zehntausende von ehelichen Rindern wäre es der größte Segen, könnte man sie dem (Einfluß und dem Machtbereich der Mutter entziehen. Ihnen gegenüber gibt es nicht viel weniger uneheliche Kinder, die unter fremden Menschen aufwachsen, freudlos und ohne Liebe, denen das Zusammensein mit ihrer Mutter Licht und Wärme in Fülle geben könnte. Das uneheliche Rind hat keinen Vater, das Gesetz nimmt ihm auch die Mutter!

Die wesentlichste Bestimmung, gewissermaßen das charakteristische Hecht und die charakteristische Pflicht für die uneheliche Mutter ist, daß sie dem Rinde den N a -

m e n gibt. --------

was die Anjprüche der unehelichen Mütter an den Vater des Rindes anbetrifft, so ist bereits daraus hingewiesen worden, daß für die Festsetzung der Alimenten-beträge ausschließlich die wirtschaftliche Lage der Mutter, nicht des Vaters maßgebend ist. Der arme Student, der unbemittelte Subalternbeamte, der wohlhabende

Kaufmann, der reiche Fabrikbesitzer, sie alle haben

ihren Rindern gegenüber dieselbe pekuniäre Verpflichtung, die, da die Mutter in 99 von \00 Fällen aus einfacherem Stande ist, minimal zu sein pflegt. Der Millionär, der eine arme Verkäuferin verführt, der reiche Hausherr oder dessen hoffnungsvoller Sohn, der das arme Dienstmädchen vergewaltigt, hat etwa 25 bis höchstens 30 Mark monatlich für das Rind zu zahlen, und zwar nur während des ersten Lebensjahres, während sich in den folgenden Jahren der Betrag noch wesentlich verringert, lind dabei stellt diese Summe bereits den Betrag dar, der erst aus Grund eingehender Bemühungen von maßgeblicher Seite in j ü ngster Zeit von den (Scrichten erwirkt worden ist. Freilich verlangt
        
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