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XII. Die rechtliche Stellung der unehelichen Mütter

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

72 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

liche Mutter Diel weniger einzuwirken vermag, als unter normalen Umständen die eheliche Mutter auf ihren Ehemann. Dazu kommt, daß das Gesetz die uneheliche Mutter der wichtigsten Funktion, welche der ehelichen, wenn ihr nach Ausscheidung des Vaters die elterliche Gewalt zusteht, überlassen ist, für unfähig erklärt, und ihr somit, wenn auch nicht ausgesprochenermaßen, so doch für die überwältigende Mehrzahl der Fälle de facto die Möglichkeit nimmt, selbst Vormund ihres Rindes zu sein.*) Der ehelichen Mutter steht die 5 o t g e für dieerson des Rindes zu, durch die sie berechtigt und verpflichtet wird, das Rind zu erziehen, zu beaufsichtigen, seinen Aufenthalt zu bestimmen usw. usw. 3hr steht zweitens die Sorge für das vermögen zu, und sie ist berechtigt und verpflichtet, das vermögen des Rindes nach freiem Ermessen, selbstredend mit peinlichster Gewissenhaftigkeit, zu verwalten. Die eheliche Mutter hat drittens die Vertretungsbefugnis, durch welche sie berechtigt ist, die juristischen Angelegenheiten des Rindes Dritten gegenüber wahrzunehmen. Die Nutznießung endlich berechtigt sie, aus dem vermögen des Rindes die gesetzlich näher erklärten Nutzungen zu ziehen. — — von allen diesen ^ Rechtsbefugnissen ist für die uneheliche Mutter einzig und allein die erste übrig geblieben, nämlich das Recht und die Pflicht der Sorge für das Rind, die indessen in der Regel auch noch vom Gericht einem Vormund übertragen wird. Die Härte dieser Gesetzgebung sucht der Gesetzgeber damit zu motivieren, daß uneheliche Mütter irrt Durchschnitt nicht den erforderlichen guten Willen und sittlichen Lrnst besitzen und es ihnen an den sonstigen mütterlichen Qualitäten fehlt.**)

Ls kann selbstredend nicht geleugnet werden, daß diese Annahme für sehr viele Fälle zutrifft; indessen ist ihre Verallgemeinerung und Verdichtung zu derartigen

*) vgl. Kapitel X.

**) vgl. Thiesing: Ein Mittel zur Verbesserung der Rechtsstellung unehelicher Mütter. „Frauen-Rundschau" Bd. V, Heft 2.
        
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