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XI. Was tut Berlin für seine unehelichen Mütter?*)**

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XI. was tut Berlin für feine unehelichen Mütter? 69 
been mir Möchnerinnen — übrigens ohne jeden 
Unterschied, ob sie eheliche oder uneheliche sind —, die 
sich kurz nach ihrer Niederkunft befinden und, ohne Ob¬ 
dach und Existenzmittel, noch der Schonung und Pflege 
bedürfen, finden dort mit ihren neugeborenen Rindern 
in der Hegel für ^ Tage, unter Umständen auch wesent¬ 
lich länger, Unterkommen und jegliche Art von Förde 
rung. — — Ebenfalls von allen geistlichen oder gar 
kirchlich-konfessionellen Einflüssen frei erweist sich das 
Rinderasyl in Schöneberg, in dem auch uneheliche 21lüt- 
ter vorübergehende Unterkunft, sowie stete Fürsorge und 
Unterstützung finden können, wenn es auch im wesent¬ 
lichen nicht für sie, sondern für die Rinder, ohne 
Unterschied auf ihre eheliche oder uneheliche Herkunft, 
ohne Unterschied auch selbstverständlich der Konfession, 
bestimmt ist, von denen nichts weiter als Hülflosigfeit 
oder Bedürftigkeit als Aufnahmebedingung gefordert 
wird.  
Auch das Säuglingsheim in Schöneberg muß unter 
die von einem ernsthafteren, sozialeren Geist getragenen 
Anstalten gerechnet werden. Es will unglückliche Müt¬ 
ter nicht durch systematische seelische Demütigungen und 
Zerknirschungen völlig tröst- und hoffnungslos machen 
und sie zur Selbstverachtung und reumütigen Erkenntnis 
ihres „sündhaften" Tuns bringen, sondern im Gegenteil 
ihren Lebensmut und ihre Arbeitsfreudigkeit stärken 
und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl mit ihrem Rinde 
fördern. Ehelose oder sonstwie ungeschützte 21 lütter und 
ihre Rinder finden für 3 ZHonate unentgeltliche Auf¬ 
nahme in dem Heim, in dem die Mutter ihr Rind selbst 
pflegen und, wenn möglich, selbst nähren muß. Es fin¬ 
det eine Unterweisung der Mütter in der Rinderpflege 
statt und zur Erleichterung ihres späteren Fortkommens 
werden sie im Nähen, Schneidern, Frisieren usw. unter¬ 
richtet. In dem Heim ist platz für \2 Mütter und 
\2 Rinder. 
Zum Schluß muß hier die Organisation erwähnt 
werden, die sich ihr Ziel am weitesten gesteckt hat und
	        
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