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XI. Was tut Berlin für seine unehelichen Mütter?*)**

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XI. Was tut Berlin für seine 
unehelichen Mütter?' ) «* 
<£s ist selbstredend, daß die Berliner Bevölkerung, 
die mit vollem Rechte in dem Rufe steht, für Not und 
Ceid der Menschen ein warmes Empfinden zu haben, 
auch dem Schicksal der unehelichen Zlmtter gegenüber 
ihr Mitgefühl und ihren Wohltätigkeitssinn beweist, 
wenn auch alle ihre versuche, das traurige Schicksal der 
unehelichen Mütter zu lindern, im allgemeinen von dem 
Geiste der sogenannten „Lharitas" getragen sind und da¬ 
her — abgesehen davon, daß sie wirklich entscheidende Er¬ 
folge somit niemals verzeichnen können — von einem 
■ höheren sozialpolitischen und ethischen Gesichtspunkte 
aus als unerwünscht betrachtet werden müssen, so darf 
ihre Aufzählung in dieser Arbeit doch nicht fehlen. Darf 
es doch auch nicht bezweifelt werden, daß die in Berlin 
existierenden Einrichtungen, Anstalten usw. zum Schutze 
und zur Unterstützung der unehelichen Mütter in einzel¬ 
nen bestimmten Fällen Segensreiches zu leisten vermögen. 
Dazu kommt, daß man, wenn man Realpolitik treiben 
will, — und wo wäre diese dringlicher und uotweudiqer 
als in sozialer Fürsorge und Hilfsarbeit?! — kleine Mit' 
tel nicht ohne weiteres verschmähen darf, solange zu der 
Anwendung großer Mittel die sozialen und kulturellen 
Voraussetzungen in solchem Grade fehlen, wie in dem 
gegenwärtigen Deutschland. Und wir werden auch den¬ 
jenigen Organen und Institutionen Gerechtigkeit wider¬ 
fahren lassen müssen, die sich durch einen ganz beson- 
*) Die tatsächlichen Feststellungen in diesem Kapitel 
entnehme ich dem Buche: Die wohlfahrtseiurichtungen Berlins 
und seiner Vororte. Berlin *904 (nebst Nachtrag 1906).
        
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