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X. Die uneheliche Mutter und ihr Kind *****

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

X. Die uneheliche Mutter und ihr Kind.	65

(Einer der größten Sünden wider die Vernunft und dem beweisendsten Zeugnisse für eine lächerliche Unkenntnis der Tatsachen begegnet man bei einer großen Zahl beschränkter Frauenrechtlerinnen, die alle Dinge und Menschen nur von dem einseitigen und engsichtigen Standpunkte zu betrachten vermögen, daß wir Männer an allen Uebeln in der Welt schuld sind und das weibliche Geschlecht allein und völlig unverdienter weise unter diesen zu leiden habe. Schon Blaschko *) hat gegen diese Entstellung Einspruch erhoben, als er bei Erörterung des prostitutionsxhänomens folgendes ausführte: „Wer sich klar ist über die biologischen, ökonomischen und soziologischen Quellen einer gesellschaftlichen Erscheinung, muß sich sagen, daß man diese Erscheinung nicht beseitigen kann, ohne ihre Quelle zu verstopfen, daß man als empfindender Mensch wohl über die abstoßenden und häßlichen Formen, unter denen das Symptom in Erscheinung tritt, traurig sein kann, aber sie nicht verdammen, sondern begreifen muß, daß, wenn die Zustände eine zwiespältige geschlechtliche Moral für beide Geschlechter geschaffen haben, es nicht angeht, nur das eine Geschlecht a l s das Opfer hinzustellen, sondern daß man einsehen muß. w i e sehr beide Geschlechter in gleicher Weise, wenn auch in anderer Form unter dem unerbittlichen Zwange dieser Verhältnisse leide n." —

Aber wenn man sich auch grundsätzlich davor hüten muß, den einzelnen Menschen zu verurteilen, wo er im wesentlichen nur das Produkt der herrschenden Zustände und das festgehaltene Glied in einer ganzen Rette ist, so müssen wir dennoch den moralischen Tiefstand und die Gewissenlosigkeit der Durchschnittsmänner anklagen, daß sie es sind, die ein gehäuftes Maß Schuld an dem Der*

*) Unser neues Merkblatt. Mitteil. b. Gef. z. Bek. d. Geschlkr. Hb. II, p. 3V
        
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