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IX. Psychologische Ursachen der unehelichen Mutterschaft

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

48 Großstadt-Dokumente Ld. 27. Uneheliche Mütter.

heimzugehen in ärmliche Verhältnisse, oft genug trüben Familienszenen beizuwohnen, sich schlafen zu legen und am nächsten Morgen wieder ins Geschäft zu wandern, tagaus, tagein. Das ist kein sehr ergötzlicher Wochen-kalender, zumal, wenn der Weg vom Geschäst in die Wohnung an strahlend erleuchteten Bierpalästen und Cafes, an Theatern und Konzertsälen vorüberführt. Und das alles in den Jahren der geschlechtlichen Entfaltung, wo die heiße sinnliche Begierde zum ersten Male in allen Nerven prickelt! War es da zu verwundern, wenn das Verlangen brennend wurde, nach aller Tagesarbeit abends auch einmal ein klein bißchen von den sich aufdringlich zur Schau stellenden Herrlichkeiten der Großstadt zu genießen? Nach der Gebundenheit des Ladens nicht geradeswegs in die Gebundenheit der Familie heimzukehren, sondern ein wenig die Freiheit des Vergnügens kennen zu lernen? Und das unter der entzückenden Form einer kleinen Liebelei? Und die sozialen Verhältnisse sorgen für die Möglichkeit der Erfüllung solchen Sehnens. Gibt es doch Taufende von jungen Kaufleuten, Hunderte von Studenten, die lieber ein Mädel am Arm ihre Abende verbringen, als allein. Die prostituierten eignen sich zu solchen Zwecken wenig. Schließlich ist man ja nicht immer dazu gelaunt, ,auf's Ganze zu gehen1, dem Abend eine Liebesnacht folgen zu lassen. Man fühlt sich aber in Stimmung, mit einem Mädel zu plaudern und zu schäkern, sie vielleicht ein bißchen zu drücken und zu küssen. Und so nimmt das seinen Weg. Alan redet eine Verkäuferin an, man begleitet sie ein Stück, man trifft eine Verabredung für den nächsten Abend; dann geht man vielleicht schon irgendwohin, man sieht, wie die Kleine sich verliebt, das Du und der Kuß folgen; noch ein paar Mal so, und man fühlt, daß die Glückliche selber nur noch mit brennender Begierde die letzte Bitte erwartet, ,mitzukommen (
    
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