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VIII. Soziale Ursachen der unehelichen Mutterschaft

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

VIII. Soziale Ursachen der unehelichen Mutterschaft. 45-

der Zahl der verführten Mädchen ist der Umstand, daß. Umfang und Art der Berufe und Beschäftigungsweisen des weiblichen Geschlechtes sich ständig erweitern und wirtschaftliche Verhältnisse die jungen Mädchen auch der besseren und besten Kreise zwingen, selbst in das Erwerbs- und Berufsleben einzutreten, während die Zahl derer, die dauernd dem Schutze der Familie unterstellt bleiben, immer geringer wird. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Berufstätigkeit der Frau, wenn sie in verständiger weise ihrer geschlechtlichen Eigenart angepaßt ist, den Wert ihrer ganzen Persönlichkeit zu heben vermag. Aber ebenso wenig zweifelhaft kann es sein, daß diese veränderte Lebensführung der weiblichen fugend der höherstehenden Kreise die Gefahren, die ihrer weiblichen „<£hre" drohen, außerordentlich vermehrt und verschärft hat, und dieses umsomehr, als die ganze Erziehung, die der jetzigen Generation in ihrer Kindheit und Jugend namentlich in sexueller Einsicht zuteil zu werden pflegt, in keiner weise geeignet ist, die in den wirtschaftlichen Kampf und das Erwerbsleben eintretenden Mädchen diese Gefahren rechtzeitig erkennen und vermeiden zu lehren. Es kann nicht im entferntesten daran gedacht werden, die Bestrebungen der modernen Frauenbewegung, die Möglichkeiten der freien Entfaltung beruflicher Neigungen und Fähigkeiten in immer weiterem Maße den Geschlechtsgenossinnen darzubieten, zu bekämpfen oder als „unweiblich" zu betrachten. Die Argumentation aber, daß die wirtschaftliche Selbständig» feit und Berufstätigkeit den Mädchen einen stärkeren fjalt und Schutz Verführung und Verführern gegenüber gewährt, ist absurd, wir haben gesehen, und jeder unbefangene Sachkundige muß es immer von neuem bestätigen, daß die unehelichen Mütter—ich spreche an dieser Stelle insbesondere von den Angehörigen der höher und besser gestellten Kreise — sich so gut wie ausschließlich aus erwerbstätigen, dem Schutze der eigenen Familie entweder ganz oder doch in erheblichem Maße entzogenen jungen Mädchen rekrutieren. Und vermag auch die ge-
        
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