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VIII. Soziale Ursachen der unehelichen Mutterschaft

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

42 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

notwendig, sondern „irregulär"; es gibt aber Leute, die die Verneinung seiner „sittlichen Zulässigkeit" herzlich dumm und zugleich schädlich finden. Denn warum allein durften die alten Deutschen so streng sein? Weil sie jedem Erwachsenen einen Speer, ein Weib, eine Hufe zur vollen Ackernahrung bewilligten. Wo werden diese Vorbedingungen von der heutigen Kultur erfüllt, außer bei wenig differenzierten Handarbeitern, die grad in jüngeren Jahren ihr Lohnmaximum erleben? Auf die übrigen, die lange, lange ^ahre nur danebenstehen und doch nicht verschmachten wollen, werfen Damen der Gesellschaft aus ihren Glashäusern Steine? )ch denke, wenn den gesteigerten Wichtigkeitgefühlen solcher Moralpauker sozialhygienisch keine besseren Errungenschaften beschieden sind als bisher, bezahlt sie die Gesamtheit mit ihrem Unbehagen viel zu teuer. Die Bemühungen laufen darauf hinaus, daß außerhalb des privilegierten Ehestandes, von Freuden zu schweigen, auch ein Recht auf Gesundheit gar nicht bestehe." (Hesse *).)

Es muß nun noch der Momente gedacht werden, welche innerhalb der Ehe einwirken, um den außerehelichen verkehr der Ehemänner zu begünstigen und zu fördern. Das Wichtigste in dieser Hinsicht ist zweifellos die Furcht vor Rindern — vor ehelichen natürlich; denn die unehelichen kosten ja so gut wie nichts. „Dn allen Schichten des Volkes" — sagt Flesch **) — „ist es heute schwer, eine große Rinderzahl aufzuziehen. Die Frauen der Unbemittelten fürchten nicht nur die Entbindung, sondern auch die Schädigung des Haushaltes durch ihre Erwerbsunfähigkeit in der Schwangerschaft. 3n den reicheren Ständen läßt die Sorge um die Kosten der Erziehung, die Aufbringung einer Ausstattung für die Töchter, der Rauüons- und Studiengelder für die Söhne den Wunsch nach Rindern erlöschen."

Nicht ganz selten wendet sich dann der ZTtann mit

*) o. o. M.

**) a. a. (1).
        
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