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VIII. Soziale Ursachen der unehelichen Mutterschaft

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

40 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

In diesem Zusammenhange ist die Mitteilung von Maria Lischnewska *) von Interesse: „Neulich sagte in einer unserer Volksversammlungen ein gebildeter Mann zu den Arbeitern: ,tDir beneiden Sie, wenn mir Sie mit Ihrer Braut, mit Ihrer Frau gehen sehen. Uns bleibt nur die Prostitution. Das ist unsere soziale Frage!' ". Daß diese auch für die Proletarier nicht ganz ohne Bedeutung ist, habe ich bereits angedeutet.

In allen Statistiken ist nachweisbar, daß dem Steigen des durchschnittlichen Heiratsalters und dem Rückgänge der Zahl der Eheschließungen mit fast absoluter Regelmäßigkeit eine Zunahme der unehelichen Geburten entspricht. Um ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zu nehmen, seien hier folgende Zahlen aus dem statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich nebeneinandergestellt. (Es kamen in Deutschland:

auf *000 Menschen auf *00 Geburten Eheschließungen	uneheliche

1876	8,5	8,6

*877	8,0	8,7

*878	7,7	8,7

*879	7,5	8,8

In diesem Verhältnis verlaufen die Dinge weiter, so daß S t a r k e n b u r g **) die ironische Bemerkung daran knüpft, man bekäme Lust, das Jahr auszurechnen, in dem gar keine Ehe mehr geschlossen wird und Europas Bevölkerung sich lediglich durch uneheliche Geburten fortpflanzt. Gegenwärtig sind in Deutschland nicht weniger als 4-5 % aller gebärfähigen Frauen unverheiratet (!!) und die sich wirklich verehelichenden können großenteils erst in verhältnismäßig spätem Alter in die <£bc treten.

*) NitLeil. der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Bd. H p. 39.

**) Das sexuelle Elend der oberen Stände.
        
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