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VIII. Soziale Ursachen der unehelichen Mutterschaft

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

38 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

— dann kam im Jahre 1(868 das Gesetz über Heimat, Derehelichung und Aufenthalt, welches die meisten der bisherigen Heiratsbeschränkungen aufhob. Darauf hob sich der Prozentsatz der Frühheiraten ganz enorm, während die (Quote der unehelichen Geburten in sieben fahren auf \2,6 %, also um volle ^0 % sank! 3n der Hauptstadt 2Ti ü n ch e rt verringerte sich offenbar aus dem gleichen Grunde der Prozentsatz der unehelichen Geburten von	im	Jahre \86H auf 2^,57 im Jahre

187H. — Auch heute bestehen noch bei uns in weitem Umfange Heiratsbeschränkungen, die sich teilweise bis zur absoluten Heiratsunmöglichkeit steigern. Dort seinen weiblichen Beamten verlangt der Staat in der Regel gänzliches Zölibat, den männlichen erschwert er die Der* ehelichung in außerordentlichem Grade. Offiziere und selbst Unteroffiziere werden von rigorosen Dorschriften betroffen, die ihre Derheiratung ungebührlich weit hinausschieben. (Es liegt auf der Hand, daß eine solche zwangsweise Erschwerung und unnatürliche Derzöge-rung der Eheschließung sich durch eine Zunahme des unehelichen Geschlechtsverkehrs und somit durch eine, wenn auch dieser nicht entsprechende Zunahme der unehelichen Geburten rächen muß. Das gilt natürlich auch für die Angehörigen des Proletariats, bei denen das größte Hindernis für eine frühzeitige Eheschließung in der Militärpflicht gelegen ist, während auch ihnen staatliche Derwaltungen und größere Fabrikbetriebe oft um* fangreiche Heiratsbeschränkungen auferlegen. Ist nun auch, wie gesagt, die weite Hinausschiebung des Heiratstermins in jeder Hinsicht zu beklagen und zu bekämpfen, so kann doch meines Erachtens keine Rede davon sein, daß man bestrebt sein müsse, jedem gesunden Manne und jedem gesunden Weibe die Ehe sofort mit Eintritt der Geschlechtsreife zu ermöglichen; bevor man in diesen Zuständen ein Ideal zu erkennen vermöchte, ist eine Reform unserer Ehe von Grund aus geboten, insbesondere die leichte Trennbarkeit — ein auf alle Fälle zwingendes Erfordernis auch ethischer Erwägungen — durch das
        
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