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VI. Der Niederkunftsort der unehelichen Mütter

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

VI. Der Niederkunftsort der unehelichen Mütter. 3*

zumal wenn wir bedenken, daß auf ihn auch die pekuniäre Lage und nicht zum wenigsten das Interesse des unehelichen Vaters an Mutter und Rind und sein Ver-antwortlichkeitsgefühl einen beachtenswerten Einfluß ausüben dürften.

Besonderes Interesse verdienen an dieser Stelle die als private Entbindungsanstalten bezeichneten Institute. Sie werden mit polizeilicher Konzession von Hebeammen betrieben. )m Jahre \896 waren es nach Neumann*) ca. 59 Hebeammen in Berlin, die bei sich ca. ^33 Kinder, also nur 6 % aller unehelichen Kinder zur Welt beförderten. Line Anzahl von Hebeammen nimmt, wie N e um a n n des weiteren ausführt, Dienstmädchen und andere wenig Bemittelte, die sich aber im Besitz eines Notgroschens befinden, auf, um sie für eiuen sachgemäßen preis zu entbinden und zu verpflegen; die ZTIutter wird am Ende des Wochenbettes mit dem Kinde entlassen oder das Kind bei der Entlassung durch Vermittelung der Hebeamme in Pflege gebracht. Bei einer anderen Gruppe von Hebeammen — so fährt Neu m a n n fort — wird die Anstalt in mehr kaufmännischer Weise betrieben, so daß hier auch die Zahl der Entbindungen eine erheblichere zu sein pflegt. Das Publikum wird durch Annoncen in den Zeitungen darauf aufmerksam gemacht, daß „Damen streng-diskrete Aufnahme zur Entbindung finden". Von diesem Anerbieten wird zwar seitens Ledigschwangerer aus adligen und bürgerlichen Kreisen zuweilen Gebrauch gemacht, doch darf man die Zahl derartiger Schwangerer nicht überschätzen. Nehmen wir den Beruf der Schwangeren, die im Jahre \896 bei zwei Hebeammen, die vor allem in Betracht kommen, entbunden wurden, so waren von 29 Mädchen: ohne Beruf \7, Wirtschafterinnen 6, Gesellschafterin V Verkäuferinnen 2, Dienstboten 3. Bei der einen der Berliner Hebeammen, welche sich zu „diskreten" Entbindungen empfehlen, wurden von den

*) a. a. ©.
        
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