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V. Uneheliche Mütter und Prostitution ***

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

V. Uneheliche Mütter und Prostitution.

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rent-Duchatelet*) angestellten (Enquete ergab sich, daß auf JOOO konzessionierte pariser prostituierte jährlich 2\ Entbindungen kommen. Nach demselben Autor gibt es prostituierte von ausfallender Fruchtbarkeit; es ist ihm von Dirnen berichtet worden, die es bis auf 7, ja sogar bis auf \0 Kinder gebracht haben sollen. Ls braucht kaum besonders erwähnt zu werden, daß, so erschreckend hoch schon überhaupt die Sterblichkeit der unehelichen Rinder ist, die Prostituierten-Rinder in einem unerhörten Prozentsatz frühzeitig zugrunde gehen, von 8 Rindern, welche durchschnittlich jährlich in 5t. Lazare zu Paris zur Welt kommen, sterben gewöhnlich ^ in den ersten ^ Tagen; von den übrigen erreicht nur ausnahmsweise und unter besonders günstigen Umständen ein Rind ein vorgerücktes Alter. Daß diese Umstände, von soziologischen Gesichtspunkten aus betrachtet, eigentlich nicht als „günstige", sondern vielmehr als bedauerliche zu betrachten sind, versteht sich von selbst; übrigens auch schon aus humanitären Gründen, denn, wenn man das Los, das diese unglücklichen Rinder in der Welt erwartet, bedenkt, so muß man ihnen einen frühzeitigen Tod herzlich wünschen. Andrerseits verdienen doch die Beobachtungen von Parent-Duchatelet**) Beachtung, daß erstens prostituierte, die niederkommen, viel eher und öfter geneigt sind, ihre Rinder bei sich zu behalten und zu ernähren, als die Mutter gewordenen Mädchen, welche nicht prostituierte sind. parent -D u ch ä t e I e t***) erklärt diesen Umstand damit, daß die Prostituierte sich von ihrem Fall erhebt durch die Erziehung ihres Rindes; das Mutter gewordeue Mädchen hingegen, welche ihr Rind aufzieht, setzt sich allseitigem Gerede und Spotte aus. Zweitens betont dieser Autor, daß von den prostituierten, die ihre Rinder bei sich behalten, viele ihnen eine treffliche Erziehung zuteil wer-

*) Die Prostitution in Paris, jmtmrg und Leipzig J903.

**) a. a. 0.
        
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