Path:
V. Uneheliche Mütter und Prostitution ***

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

26 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

unter den unehelichen Müttern bei den „Berufslosen", bei den „Kellnerinnen" und bei den „Sonstigen" zu vermuten haben. Denn daß sich ein Mädchen oder eine Frau bei derartigen statistischen Erhebungen als „prostituierte" bezeichnet, dürfte zu den Ausnahmen gehören. Daß aber die prostituierten einen nicht ganz geringen Anteil an der Zahl der unehelichen Mütter nehmen, dürfen wir von vornherein vermuten, ebenso aber, daß diese Zahl nicht sehr groß sein wird. Die große Mehrzahl der prostituierten hat, ehe sie offiziell in die Zunft der öffentlichen Dirnen eintritt, bereits eine Geschlechtskrankheit durchgemacht, die ihre Konzeptions-, vor allem ihre Gebärfähigkeit wenn nicht ganz aufhebt, so doch wesentlich beeinträchtigt. Diejenigen aber, welche noch relativ gesund ihr Gewerbe beginnen, werden sehr bald von einer venerischen Erkrankung befallen, die sie unfruchtbar macht. Und weiter: man mag sich zu der von £ o m b r o s o und Tarnowski aufgestellten Lehre von der „geborene n prostituierte n" noch so ablehnend verhalten — -daß sich unter den Dirnen eine große Zahl krankhaft veranlagter und degeneriertet Individuen befindet, ist unbestreitbar; und diese pathologischen Zustände bestehen vielfach in einer Sterilität bedingenden Anomalie der Sexualorgane. Ferner versteht es sich von selbst, daß die prostituierten alle möglichen Manipulationen anwenden, um eine Befruchtung zu verhindern, und, wenn es dennoch zu einer solchen gekommen ist, die Schwangerschaft zu unterbrechen. Aus allen diesen Gründen leuchtet ein, daß prostituierte nicht gerade häufig gebären. Aber es zeugt von Unkenntnis der Tatsachen, wollte man annehmen, daß es bei ihnen niemals oder fast niemals zur Geburt eines unehelichen Kindes käme. Nach £ o m -b r o f o und $ e r e r o *) bringen 3^ % der eigentlichen prostituierten Kinder zur Welt. Aus einer von p a -

*) Das IPeib als Verbrechern! und prostituierte, llebcrf. r>. H. Aurella. Hamburg JI894.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.