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IV. Stand und Beruf der unehelichen Mütter

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

IV. Stand und Beruf der unehelichen Mütter.

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Was nun umgekehrt die Bedeutung der unehelichen Mutterschaft für die Angehörigen der verschiedenen Berufsgruppen betrifft, so liegen die Dinge hier recht kompliziert. Line oberflächliche Betrachtung könnte die Ansicht gewinnen, als ob das Schicksal der unehelichen Mutter, vor allem auch des unehelichen Rindes sich umso trauriger gestalten muß, je ungünstiger die sozial-ökono-mische Lage der Mutter ist, und sich dabei auf die selbst' verständliche Tatsache stützen, daß die finanzielle Leistungsfähigkeit der Mutter sowie ihre Fähigkeiten für ihre und ihres Rindes Zukunft von maßgeblichein Einflüsse sind. Aber dieser Einfluß ist doch kein entscheidender. Wenn man nämlich die Fälle, in denen die Vaterschaft anerkannt wird, — ein Ereignis, das als von denkbar günstigster Bedeutung für Mutter und Rind sich erweist — in Beziehung setzt zu dem B e« r u f der unehelichen Mutter, so ergibt sich, wie Spann*) nachweisen konnte, folgende Tatsache: „3 e höher d i e soziale Schicht i st, welcher d i e Berufsgruxpen angehören, um so g e -ringer ist der Prozentsatz jener unehelichen G e b u r t'e n, bei welchen die Vaterschaft anerkannt wir d." Und das ist erklärlich. Die moralischen Anschauungen in den unteren Schichten der Bevölkerung nehmen eine uneheliche Mutterschaft nicht allzu tragisch. Der uneheliche Vater betrachtet das von ihm geschwängerte und Mutter gewordene Mädchen meist durchaus nicht verächtlich, und es gilt in Arbeitskreisen heute noch — die Anzeichen, daß es anders zu werden droht, mehren sich bedenklich — für den Vater als selbstverständliche Pflicht, die Mutter seines Rindes zu heiraten; und die wenigsten entziehen sich dieser Pflicht, wenn sie sie vielleicht auch erst nach Verbesserung der beiderseitigen ökonomischen Lage erfüllen. Kommt es aber nicht zu einer Heirat der unehelichen Mutter mit dem Vater ihres Rindes, so findet sie dennoch
        
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