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III. Uneheliche Mütter und Konfession ***

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

16 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

liche Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Cage einhergeht, und der Einfluß sozial-ökono-mischer Faktoren auf die Anzahl unehelicher Schwängerungen und Entbindungen ja ein außerordentlicb gewichtiger ist. Nehme ich die großstädtischen Verhältnisse in den Kulturzentren zur Grundlage dieser Untersuchung, so lautet ihr Ergebnis folgendermaßen: Die Jüdinnen stellen nur einen sehr geringen Prozentsatz, einen weit geringeren, als er ihrem Verhältnis zur Zahl der unverheirateten, gebärfähigen weiblichen Bevölkerung entsprechen würde, zu dem Kontingent der unehelichen Miit-ter. Es war, wenigstens bis vor nicht zu langer Zeit, eine seltene Ausnahme, daß Jüdinnen in das kaufmännische und vor allen Dingen in das gewerbliche Erwerbsleben eintraten. Sie stehen für gewöhnlich in weit größerem Umfange und in höherem Maße unter dem Schutze der Familie — nicht nur in ideellem, sondern auch in rein räumlichem Sinne. Das liegt zum Teil an der in diesen Kreisen vielfach verbreiteten Denkart, zum Teil aber sicher daran, daß die wirtschaftliche Lage der Juden z. B. in Berlin im allgemeinen eine relativ günstige ist, und von einem jüdischen Proletariat, insbesondere bei uns, nur in sehr beschränktem Maße die Nede sein kann. Wir werden aber im nächsten Kapitel sehen, welchen Einfluß Stand und Beruf eines Mädchens — also auch seiner Eltern — auf die Möglichkeit, uneheliche Mutter zu werden, haben, und daß diese Möglichkeit der Wahrscheinlichkeit um so näher kommt, je tiefer der Beruf auf der sozialen Stufenleiter rangiert, jüdische Fabrikarbeiterinnen existieren wohl bei uns überhaupt nicht, jüdische Dien st boten nur ausnahmsweise. Und diese beiden Gruppen find gerade diejenigen, die den bei weitem größten Anteil zu den unehelichen Müttern stellen. Und weiter: wenn auch in christlichen Kreisen die Verheiratung eines jungen Mädchens ihm selbst wie seinen Angehörigen stets als das erstrebenswerteste Ziel zu gelten pflegt, so erfolgt doch unter den Juden die Erziehung der Töchter viel s y st e -
        
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