Path:
III. Uneheliche Mütter und Konfession ***

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

H Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

leicht sogar auch die als sündhaft geltende Anwendung von empfängnisverhütenden Zliitteln verhindern zu lassen. Gilt diese Anschauung für die Gegenden, die ausschließlich oder vorwiegend katholisch sind, so ändern sich die Verhältnisse erfahrungsgemäß, sobald die Katholiken nur einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen. Es ist psychologisch ganz begreiflich, daß bestimmte, in besonderer weise, z. B. durch ihr religiöses Bekenntnis charakterisierte Menschen dort, wo fu eine Minorität bilden, viel exklusiver, solidarischer und autoritativen Einflüssen viel zugänglicher sind, als dort, wo sie die Masse bilden und sich von ihren Mitmenschen nicht unterscheiden; und da mutz ich denn sagen, daß ich aus Berliner Eindrücken die Ansicht gewonnen habe, daß Katholikinnen bei uns sehr viel seltener Verführungen und Versuchungen unterliegen, als Evangelische, zumal sie hier doch meist von andersgläubigen Männern her an sie herantreten, und mit diesen zu verkehren als drei- und vierfache Sünde gilt. Auch wenn man in dem unehelichen Geschlechtsverkehr an und für s i ch etwas Unsittliches erkennt, so würden diese Beobachtungen natürlich nicht eine größere Sittenreinheit der katholischen Bevölkerung in protestantischen Gegenden bedeuten: erstens, weil eine durch eine kirchliche Autorität erzwungene Sittlichkeit keine ist, und zweitens, weil der Nachweis fehlt, ob nicht etwa hier der Geschlechtsverkehr durch irgend welche sexuellen Aequivalente von sicherlich nicht höherem moralischen werte ersetzt wird. Der von parteiischer Seite *) gern unternommene versuch, aus der tatsächlich recht niedrigen Ziffer der unehelichen Geburten in manchen kleinen katholischen Enklaven protestantischer Gegenden, z. B. in katholischen Kreisen der Provinz Westfalen den Schluß herzuleiten, daß die Katholikinnen nur sehr selten uneheliche

*) z. B. von dem noch später in dieser Arbeit zitierten Jesuitenpater Rrose.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.