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III. Uneheliche Mütter und Konfession ***

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

III. Uneheliche Mütter und Konfession

wenn wir die in dem vorigen Kapitel mitgeteilten Zahlen von dem Gesichtspunkte aus betrachten, inwieweit konfessionelle Einflüsse sie bestimmt haben könnten, so fällt uns als unverkennbare Tatsache auf, daß die Gegenden mit katholischer Bevölkerung in weit höherem Maße an der Stellung der unehelichen Mütter beteiligt sind, als die mit protestantischer. Port den europäischen Staaten steht das katholische Oesterreich mit ^,67 °/o an der Spitze; von den deutschen Bnndesstaaten behauptet das katholische Baieru mit über	ersten platz. Unter den deutschen

Städten übertrifft München selbst Berlin und Hamburg um fast 20 % (!), und auch bei Prüfung anderweitiger Statistiken ergibt sich mit Sicherheit, daß der Prozentsatz der unehelichen Mütter in den xrotestan -tischen Gegenden im Durchschnitt ein wesentlich g e -r i n g e r e r ist. Hieraus einen Einfluß der Konfession auf die Sittlichkeit ohne weiteres konstruieren zu wollen, wäre schon darum verfehlt, weil eine größere Zahl der unehelichen Geburten keineswegs einem größeren Umfange auch des unehelichen G e -s ch l e ch t s v e r k e h r s zu entsprechen braucht. Indessen muß sich eine unbefangene Kritik doch mit dieser Erscheinung abzufinden suchen, und da scheint mir eine Erklärung in dem Sinne naheliegend, daß die Zuchtmittel des katholischen Kirchenregirnents selbstverständlich nicht stark genug sind, eine Masse von Menschen zur Unterdrückung des fast gewaltigsten aller Naturtriebe zu zwingen, wohl aber, um Fruchtabtreibungen und viel'
        
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