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II. Zahl der unehelichen Mütter

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

\2 Großstadt-Dokumente Bd. 27. Uneheliche Mütter.

wärtigen unvollkommenen Stande der Statistiken nicht möglich sein. Daß hier konfessionelle, wirtschaftliche, gesetzgeberische und anthropologische Gründe eine maßgebliche Rolle spielen, ist unverkennbar und wird später noch des näheren ausgeführt werden. An dieser Stelle soll nur noch darauf hingewiesen werden, daß die Zahl der jährlich zu verzeichnenden unehelich Geborenen sich natürlich nicht ganz mit der Zahl der Frauen und Mädchen deckt, die zum ersten Male uneheliche Mütter werden; denn es ist nicht ganz selten, daß weibliche Personen wiederholt unehelich gebären. Mir werden über diese Verhältnisse noch später zu sprechen haben; an dieser Stelle begnüge ich mich mit dem Hinweis darauf, daß es sich in diesen Fällen hauptsächlich um zwei Gruppen von Frauen handelt: einmal um prostituierte, oder, da diese aus bekannten Gründen nur sehr selten Mütter werden, wenigstens um solche, die den prostituierten hinsichtlich des moralischen Tiefstandes annähernd gleich sind, und zweitens um solche, die mit einem Manne in jahrelangem oder gar lebenslänglichem „Aonkubinat" leben und deren Lebensführung sich in nichts von einer „ehelichen" unterscheidet, — also Fälle, bei denen von „Unehelichkeit" kaum anders als in formal-juristischem oder kirchlich-dogmatischem Sinne die Rede sein kann. Ein weiterer Grund, weshalb es etwas weniger uneheliche Mütter als uneheliche Rinder geben muß, ist dadurch bedingt, daß auch bei den unehelichen Geburten selbstverständlich hier und da Mehrfach* Geburten erfolgen. Aber trotz aller dieser im ganzen sehr geringen Differenzen läßt sich doch aus der Zahl der illegitimen Rinder eine ziemlich genaue Vorstellung von der ungeheuer großen Zahl der unehelich e n M ü t t e r gewinnen einer Zahl, die nach

den Berechnungen von Kaspar Schmidh *) z. B. für München die Zahl der ehelichen Mütter mindestens erreicht, vielleicht sogar übertrifft! —

*) Gedanken zur Sexualpolitik. j)ol.-anthr. Revue V, 3.
        
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