Path:
I. Allgemeines

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

6 Großstadt-Dokumente 23b. 27. Uneheliche Mütter.

ist, daß sie bei zurzeit N i ch t v e r e h e 1 i cht e n zustande gekommen sein muß, indem sowohl die (Empfängnis wie die Niederkunft nicht „ehelich" war.

Erscheinungen und Persönlichkeiten aber, die sich lediglich durch das Nicht Vorhandensein eines bestimmten Faktors charakterisieren, unter einem gemeinsamen Gesichtspunkte anzusehen und zu einer einheitlichen Darstellung zusammenzufassen, ist unlogisch und voller Widersprüche. Gleichwohl hat bisher im allgemeinen die Tatsache, daß bei einer Mutterschaft das Merkmal der rechts-giltigen Heirat fehlt, genügt, um allen solchen einander noch so heterogenen Lallen einen und denselben Stempel auszuprägen und, so unendlich verschiedenartig auch die Rolle ist, die sie im Staats» und Gesellschaftskörxer sowie im Einzelleben der Individuen spielen, sie unterschiedslos zu beurteilen. So ist die Marke „Unehelichfeit" im allgemeinen und „uneheliche Mutter" insbesondere Scheidemünze geworden, die im öffentlichen Verkehr angenommen und weitergegeben wird, ohne daß sie etwa irgendwo als unbekannten Wertes oder als ungangbar zurückgewiesen oder auch nur sonderlich geprüft würde. Aber gerade daraus folgt, daß >dem Begriffe, der mit jenem Worte bezeichnet werden soll, positive Merkmale eigentümlich sein müssen, die ihn unverkennbar machen. Durch Feststellung dieser allem wird es gelingen, das Material, welches unter das formal-rechtliche Nubrum „Uneheliche Mütter" gehört, so zu charakterisieren, daß es einer zusammenhängenden Schilderung und gemeinsamen Betrachtung wert und zugänglich ist. Die positiven (Eigenarten der unehelichen Mutterschaft werden — das dürfen wir von vornherein sagen — keinesfalls durch die Persönlichkeiten der Mütter bedingt sein können. Wenn auch, wie wir später sehen werden, die große Mehrzahl von ihnen den unteren Schichten der Bevölkerung angehört, so bilden dennoch ihre Herkunft, ihr Stand und Beruf, ihre geistigen und körperlichen Eigenschaften, und —last not least! — die psychologischen und ethischen Voraussetzungen für
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.