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XVI. Ethisches

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XVI. Ethisches

„was gut und was böse ist, weiß noch niemand",

  sagt Nietzsche. Und alle philosophischen versuche,

einen allgemeingültigen Maßstab zu finden zur ethischen Bewertung der Menschen und der Dinge, erwiesen sich bisher als vergeblich. Nicht nur, daß zu den verschiedenen Zeiten die moralischen Auffassungen grundverschieden sind, auch die Anschauungen in einem und demselben Zeitraum über das, was sittlich und was unsittlich ist, sind zahlreich und mannigfach. Und selbst die einzelnen philosophischen Systeme der Ethik lassen eine verschiedene Wertung des gleichen Objektes zu. So werden wir an dieser Stelle uns damit begnügen müssen, fern von allen theoretischen Abstraktionen zum Richter über das Sittliche den gesunden Menschenverstand und unser inneres Gesühl für Recht und Gerechtigkeit zu erwählen. Der Ronflikt, in den wir auch dann noch geraten müssen, läßt sich, meine ich, nicht nur angesichts des uns hier beschäftigenden Problems, sondern auch ganz im allgemeinen am ehesten lösen, wenn wir ein für allemal zwischen dem Täter und seiner Tat grundsätzlich unterscheiden, wer wollte den von Rarl Sand verübten Meuchelmord nicht als eine ethischverwerfliche Tat betrachten? wer aber würde nicht zugleich die Persönlichkeit des Täters als eine von hohen sittlichen werten getragene bewundernd anerkennen? Und umgekehrt:	Ein Beispiel aus dem Alltagsleben! wie

viele Lrzlnmpe gibt es unter der Menge derer, die uuter dem Scheine eines edelmütigen Philanthropen große Summen stiften für Arme oder Kranke und wirklich segenbringende (Einrichtungen schaffen, um äußerer
        
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