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XV. Die nationale und soziale Bedeutung der unehelichen Mutterschaft

Full text: Uneheliche Mütter / Marcuse, Max

XV. Die Bedeutung der unehelichen Mutterschaft. 95

„3m heißen Diebstahl der Natur,

Mehr Stoff emxfah'n und kräft'gern Feuergeist,

Als im verdumpften, trägen, schmalen Ehebett verwandt wird auf ein ganzes Heer von Tröpfen."

wenn wir berücksichtigen, daß die Militärtauglichkeit im großen und ganzen ein solches Maß von körperlicher und geistiger Tüchtigkeit voraussetzt, das notwendig ist, um ein wertvolles Glied im Staatskörper zu sein, und wenn wir bedenken, daß nur 52—55 Prozent der Ausgehobenen für tauglich befunden werden, so beweist die Tatsache, daß 9 Prozent der Soldaten unehelich Geborene sind, den von Natur aus großen nationalen und sozialen Wert dieses Menschenmaterials zur Lvidenz. wollten wir — bemerkt F. Siebert*) hierzu — die unehelichen Geburten aus der Welt schaffen, so müßte Se. Majestät auf über ^ 000 Mann im Frieden verzichten! —

Und wenn nun die Masse der unehelichen Rinder sich natürlich nicht durch besondere Gaben mid Fähigkeiten auszeichnet und zu einem beträchtlichen Teil ein von Natur aus nur durchschnittliches Mensä^en-material darstellt, so liegen diese Verhältnisse doch nicht um einen Deut anders auch bei den ehelichen Rindern.

Und wie die unehelichen Rinder erst künstlich durch Not und Llend, dnrch Lieblosigkeit und Verachtung, durch Unverstand und Kränkungen, denen sie allenthalben begegnen, zu Feinden der menschlichen Gesellschaft angelernt und im allgemeinen zu sozialen Schädlingen förmlich gezüchtet werden, so zwingen auch die unehelichen Mütter die Ungerechtigkeit und Unver-nünftigkeit der Verhältnisse dazu, für Staat und Gesellschaft zu einer lästigen Gefahr sich zu entwickeln. Angesichts des ständigen Rückganges der ehelichen Geburten, selbst im Verhältnis zu der andauernden Abnahme der Verheiratungen, angesichts der immer mehr

*) a. a. ©.
        
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