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Kapitel V. Liebeszigeunertum in der Lyrik. - Neurotiker -. Sadismus und Mänadentum. Der Zwang der Mode. Das "dritte Geschlecht". Spielen die Homosexuellen eine Rolle in der Frauenbewegung?

Full text: Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung / Mensch, Ella

Die Frau der Arbeiterklassen.	67

Doch tuir, geknechtet, entrechtet,

Wir sehen darin kein Fest.

Vorn Lebenstisch geächtet,

Kommt doch uns keines zubest:

Sie mögen sie feiern mit frohem Gelag.

Wir aber bestehen auf diesem Tag.

Wir weihten ihn selbst, wir Laien,

Den ersten Tag int Maien..."

so wird sich die Frauenwelt in der Arbeiterbevölkerung erinnern, daß es doch in Wahrheit etwas anders zugeht, daß es doch Menschheits- und Verbrüderungsfeste gibt und daß z.B. das Weihnachtsfest eine festere Brücke zwischen den Gesellschaftsklassen schlägt, als es je der 1. Mai, der ja von vornherein die Isolierung predigt, tun wird.

Die Frau des Arbeiterstandes wird sich durchschnittlich empfänglicher und dankbarer erweisen für das, was die Menschen untereinander verbindet, als für das, was sie trennt. Dem Gesetz der Liebe öffnet sie leichter ihr Herz als der Parole vom „Klassenhaß".

Hier erschließt sich nun ein ungemein ergiebiges Arbeitsfeld für die Frauenrechtlerin. Praktische Arbeit allein kann's tun, nicht aber das graue Theoretisieren. Wie unnütz, ja geradezu verhängnisvoll namentlich das „Theoretisieren über die Mutterschaft" für die Bewegung geworden ist, hat unlängst Frau Marie Stritt, Vorsitzende des „Bundes deutscher Frauenvereine", im „Zentral-blatt" (Bundesorgan) so klar und scharf nachgewiesen, daß ich ihren Auseinandersetzungen vorläufig nichts hinzuzufügen hätte.

Mit revolutionären Träumen die Gemüter aufregen, ist keine Kunst. Kunst d. h. Können steckt z. B. in den „Erinnerungen einer Lehrerin" von Marie Franz (Leipzig, Wilh. Grunow). Die weiß, die hat es in sechsjähriger Praxis erprobt, wie man Fühlung gewinnt mit der Welt des Proletariats und welche Macht gerade in unserer
        
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