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Kapitel V. Liebeszigeunertum in der Lyrik. - Neurotiker -. Sadismus und Mänadentum. Der Zwang der Mode. Das "dritte Geschlecht". Spielen die Homosexuellen eine Rolle in der Frauenbewegung?

Full text: Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung / Mensch, Ella

Sadismus und Mänadentum.	59

Brunstgefühle herumtreibt; sie schneidet sich die seelische Entwicklung ab. Der sittlichen Entgleisung folgt der künstlerische Bankrott aus dem Fuße. Ich denke da an manche, die in Schönheit begann und sich von ihrem bösen Dämon in Unschönheit hineinzerren ließ! Welch gewaltiger Abstand z. B. in Hermione v. Preuschens lyrischen Erstlingsgaben „Regina vitae“ — „Via passionis“ und ihren letzten Ergüssen wie „Astarten-lieder" und „Flammenmal"!

keine feindselige Kritik kann uns vernichten, das können nur allein wir selbst besorgen.

So arbeitet auch Hermione am Zerstörungswerk ihres Künstlertums. Nichts ist diesem so verderblich, als wenn man sich unausgesetzt mit seinem Ich beschäftigt und „Konfession aus Konfession" in die Welt schickt. Die Teilnahme dafür hat sehr bald ihre Grenze. Der künstlerische Subjektivismus ist nicht so zu verstehen, daß man der Welt ohne	Aufhören	sein Liebesglück	und -leid

erzählen dürste. Das hat die Welt, das Publikum gar bald satt und läßt sich's nur da gefallen, wo es sich dekorativ, als Arabeske um den mächtigen Bau eines wirklich bedeutenden Könnens und Schaffens herumlegt.

„Verirrung" aber nenne ich es, wenn die liebende Frau die Werberrolle übernimmt, denn das wirkt nicht mehr ganz ästhetisch	und	doppelt peinlich,	wenn die

erotische Ekstase	für	ihre	Glut zu dem Bilde des

„Raubtiers" greift:

„Und schlag in meine Glieder deine Pranken,

Der Löwin wird ihr Recht!"

Wir wollen	die	Liebe	nicht überirdisch,	engelhaft,

aber in edler menschlicher Schönheit.

Der Mißgriff, der „falsche" Ton, der in dieser Brunstlyrik angeschlagen wird, kennzeichnet sich auch dadurch, daß vor dem Alter, dem Altwerden bei unseren moder-
        
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