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Kapitel IV. 1. Der Sexualrausch und die Zerrbilder, die er hervorruft. 2. "Die alte Jungfer" und ihre Neubelebung. 3. Hexensabbat in der Literatur. 4. Erotische Belletristik und ihre Aufnahme der Presse und Publikum.

Full text: Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung / Mensch, Ella

Erotische Belletristik. _____________47

höhere, feinere Moral in Anspruch nimmt, Fußweg und Leitweg in der Kulturgeschichte haben kann.

Nimmt sie jedoch vorlieb mit den fragwürdige,\ Rechten, mit denen eine barbarische Lebensanschauung den Mann ausgestattet hat, so kehrt das alte Verhältnis von „Herr" und „Sklavin" wieder.

Die Tatsache, daß die Einehe noch immer eine sehr unvollkommene Institution ist und durchaus nicht das leistet, was sie dem „^deal" nach leisten sollte, rechtfertigt keineswegs das Bestreben, an Stelle dieser Institution noch unvollkommenere und mangelhaftere Zustände zu setzen. Und dieses wären solche, in denen die Liebesvereinigung zweier Menschen die flüchtige Dauer eines Lenzes selten überleben würde, wo selbst das im Ansang vorhandene Streben, eine Familie zu gründen und Pflichten aus sich zu nehmen, jede plötzliche Laune durchkreuzen könnte. Diese „Freiheit" müßte zu einer „Sklaverei" der Frau führen, wie sie peinvoller kaum je bestanden hätte!

In dem ständigen Konkurrenzkampf würde sich jede feinere Frau vor der Zeit aufreiben. Gattin ist sie, sobald die Staatsaufsicht über den Liebesbund aufhört, nicht mehr, sondern Geliebte. Das ist ein Rang, den ihi morgen schon eine glücklichere Nebenbuhlerin streitig machen kann. Die zweite Geliebte besitzt so viel Recht wie die erste. Sicherheit und Würde hören da auf.

Das Gesetz schützt den Schwächeren. Die Einehe ist -der Schutz für die Frau; sie sollte nicht gedankenlos auf

diesen Schutz verzichten.

Maupassant, dem man gewiß keine Philisterneigungen zuschreiben wird, bringt in einem seiner erotischen Bücher folgende bemerkenswerte, kleine Novelle: Ein junger Offizier kann feine Erwählte nicht heiraten, weil die Erbtante kurz und kühl ihre Einwilligung verweigert. „Du kannst tun, was du willst, aber auf meine finanzielle
        
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