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Kapitel III. Was heißt "kranke", was heißt "gesunde" Frauenbewegung? Reinliche Scheidung. Berlin, der Boden, auf dem diese Scheidung sich vollzieht. Die heilsame Gegenströmung setzt ein. Haben die Schwarm- und Alarmgeister ein Unrecht auf den Titel "kühne Linke"? Maskierter Rücktritt.

Full text: Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung / Mensch, Ella

Folglich müssen wir eine reinliche Scheidung vornehmen zwischen solchen, die zerstören, und solchen, die bauen wollen. Ob die ersteren sich nun den Namen „Radikale", letztere die Bezeichnung „Gemäßigte" beilegen, tut im Grunde nichts zur Sache, wenn schon ich gegen den Ausdruck „Gemäßigte" manches einzuwenden hätte, weil er zu ungenau und unbestimmt klingt. Ich möchte lieber dafür die Begriffe „gesunde und starke Frauenbewegung" einsetzen. „Gesunde" deshalb, weil sie sich fern hält von der schwülen Treibhausluft zügelloser Erotik, der so manche begabte Frauenexistenz unserer Tage erliegt, und „starke" deshalb, weil sie nicht an die Schwäche, an die Genußsucht, an die Begehrlichkeit der Frauen appelliert, sondern an jene Kräfte, die zu allen Zeiten den Widerstand der stumpfen Masse bezwungen haben.

Die Scheidung vollzieht sich wohl ganz von selbst; sie muß nur der breiten Öffentlichkeit gegenüber nachdrücklichst betont werden, denn in ihr herrscht in der Beurteilung unserer Bewegung und der in ihr zutage tretenden Faktoren noch immer eine ganz bedauerliche Flüchtigkeit und ein erschreckender Mangel an Diffe-renzierungsfähigkeit. Ein Beispiel stehe hier für viele: als die Nachricht von der Geisteserkrankung der Schriftstellerin Laura Marholm auftauchte, begleiteten einige Blätter, darunter auch ein sozialdemokratisches,
        
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