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Full text: Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung / Mensch, Ella

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unterm Arm in die Hörsäle wandert (selbstverständlich 
ihre ältere Schwester), mit Schaudern abgewendet, wenn 
man ihr von einer „Studentin" sprach. Nein, wie man 
so „emanzipiert" sein konnte! 
So „unweiblich" würde sie nie fühlen! 
Wenn je die Rede auf das Thema kommt, versichert 
sie allen, die es hören wollen, daß sie sich für ihr Teil 
nichts aus der Gelehrsamkeit mache und niemals eine 
„Studierte" werden wolle. Ordentlich Angst empfindet 
sie vor einer solchen! Am Ende könnte die Gelehrsam¬ 
keit so eins, zwei, drei abfärben. 
Die Erde hat sich nun wieder etliche tausend Male 
um die Sonne gedreht, die auch nach wie vor ihre 
Strahlen über Gerechte und Ungerechte ausgießt — und 
im Kapitel „Frauenstudium" hat sich einiges verschoben. 
Das Odium, das auf ihm noch in den achtziger 
Jahren lastete, ist verschwunden. Im Gegenteil, es gilt 
als durchaus stilvoll, wenn man in den Iahren, in denen 
man früher in ein in- oder ausländisches „Pensionat" 
gesteckt wurde, Universitätsneigungen in sich spürt und 
bei „Professoren" hört. Seitdem auch deutsche Minister- 
und Grafentöchter hospitieren, ist das in hohem Grade 
schick geworden. Die Universitätshospitantin von heute 
darf nicht befürchten, daß man sie mit der ehemaligen 
ernsten Züricher Berufsstudentin über einen Kamm 
schert. Es schadet ihr auch nicht, schreckt nicht ab, wenn 
sie in Gesellschaft erzählt, daß sie bei Professor X. „Lite¬ 
ratur" oder „Philosophie" höre. 
Um die „Zulassung" zu erreichen, hat sie keine großen 
Anstrengungen gebraucht. Zwischen ihr und der emsigen 
wissenschaftlichen Arbeitern: wird kein nennenswerter 
Unterschied gemacht. „Immatrikulation" erlangen sie 
beide nicht. (Erst jetzt beginnt man, dem Unwesen des
	        
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