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Full text: Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung / Mensch, Ella

24 Grotzstadt^Dokumente Bd. 26. Bilderstürmer. 
So bedient sie sich mit Vorliebe des „Paradoxons". 
Weiß sie doch, daß die Presse gern aus solche Dinge ein¬ 
geht. Wenn sie liest: „Die bekannte Frauenrechtlerin so 
und so hat neulich den eine lebhafte Debatte hervorrufenden 
Ausspruch getan ..„Die große Kühnheit, die dazu 
gehört, um angesichts der heutigen Gesellschaftsordnung 
einen solchen Gedanken zu vertreten ..." — wie gesagt, 
wenn sie solche Reporterphrasen liest, ist sie beseligt und 
glaubt, für die Menschheit wiederum eine Besreiungstat 
unternommen zu haben. 
Wenn sie dann noch gar mit ihren „Paradoxien", 
wofern diese den Charakter der „Insulte" annehmen, in 
Konflikt gerät mit diesem oder jenem Gesetzespara¬ 
graphen, ist sie auf der Höhe ihrer Entwickelung an¬ 
gelangt und darf sich als verehrungswürdiges Opfer des 
„Polizeistaats" fühlen. 
Die Modestudentin. 
Ihre Naturgeschichte liest sich amüsant. Der ganze 
Typ gehörte in das Bereich unserer Schwankliteratur. 
Bis jetzt hat sich für sie noch kein Moliere gesunden, denn 
unsere heutigen Molieres arbeiten nach der Bühnenschablone 
und nicht nach dem wirklichen Leben. Wenn sie eine 
„Studentin" vorführen, machen sie es in der Hauptsache 
noch so, wie es der gute Benedix tun würde, oder sie 
nehmen die Gestalt gleich furchtbar ernsthaft und suchen 
in ihr die Vertreterin einer neuen Weltanschauung. 
Die „Modestudentin", wie wir sie seit einigen Jahren 
kennen, ist weder Possenfigur, noch Tragödiengestalt. 
Sie ist einfach Milieuerscheinung; sie macht mit und 
nutzt für ihren Vorteil die günstige Konjunktur aus, die 
unsere Arbeit geschaffen hat. Vor zwanzig Zähren, ja 
noch vor zehn, hat sich die, welche heute in Berlin, 
München oder Heidelberg mit der kleinen Ledermappe
        
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