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Full text: Bilderstürmer in der Berliner Frauenbewegung / Mensch, Ella

Die Vereinswühlerin.	23

Landes macht, in festlichen Kleidern erscheint, mit der Bemerkung begleitet: „In seidenrauschenden Kleidern läßt sich keine Frauenpolitik treiben."

Warum man in Sack und Asche trauern soll, sobald es gilt, den Sieg seiner Ideen zu verkünden und zu vertreten, oder weshalb man sich als „katakombengemeinde" gerieren soll, wenn es sich darum handelt, vor der Öffentlichkeit Zeugnis abzulegen von unserem Programm und seiner Durchführung, ist schwer zu enträtseln und bleibt das Geheimnis der „Wühlerin", die, wenn sie sich der Debatte bemächtigt, nicht eher ruht, als bis sie einen Erisapfel gesunden hat, den sie in die Versammlung wirft.

„Mißvergnügte", die sich überall finden, schließen sich ihr an. In deren Augen ist sie eine „Heldin", und so gerät sie allmählich in den Wahn, eine „Führerin" zu sein. Iu Wahrheit beschränkt sich die Gefolgschaft aus ein paar übelgelaunte Seelchen, die sich immer „verkannt" „beleidigt" und „zurückgesetzt" fühlen und in lärmenden „Protestversammlungen" ihr bischen Kraft erschöpfen.

Die wahren Lebensbedingungen des Volkes, dem sie zu dienen glaubt, bleiben der „Hetzerin und Wühlerin" stets fremd. Sie hat auch gar keine Zeit, sich um dergleichen zu kümmern, denn sie hastet von Aufregung zu Aufregung und verliert völlig den Maßstab für ihre Tätigkeit — Arbeit darf man wohl kaum sagen —, weil sie sich stets im gleichen Kreise herumdreht und immer unter Meinungsgenossen bleibt.

Das Interesse an der „Wühlerin", das sie anfangs noch gesunden, nutzt sich gar bald ab. Begreiflich. Sie arbeitet nicht weiter, drischt immer dasselbe leere Stroh, und dessen werden auch die Sensationslustigen müde. So muß sie denn danach trachten, das „Aufsehen", das sie um jeden Preis braucht, das für sie Existenzfrage ist, künstlich zu erhalten und zu steigern.
        
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