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VII. Über Dirnentum und weibweibl

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

92 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins.

Mädchen zustimmend (es „nimmt die Freundschaft an") oder ablehnend. Ist die Ablehnung mit einer Anzeige verbunden oder gibt die Umworbene den Kassiber an die Pflegerin weiter, so läßt sie die Lesbierin „aufstiegen".

Der aktive Teil des lesbischen Bundes heißt „Vater". Er nimmt für sich „Vaterrechte" in Anspruch. „Vaterzorn muß sich austoben; sonst kann es zum Totschlag kommen." Der gefügige Teil „Mutter oder Muttchen" hat es mit der Treue strenger zu nehmen als der „Vater". Bei Seitensprüngen bekommt „Muttchen" Haue. „Da mutz man stille halten." „Ein gereizter Vater vergißt sich bis zum Totschlag."

Ein Mädchen des Krankenhauses hatte bei einem Streit mit der Wirtin ein Auge verloren. Die Mißhandelte erstattete keine Anzeige. Zn Österreich schlug eine Lesbierin die Freundin tot.

Väter tragen oft die „Vatertolle", eine Haartracht ä la Eleo de Merode, bei der das Haupthaar ohne Scheitelbildung stark emporgewölbt wird, oder sie tragen die „Vaterlocke", d. h. sie kämmen sich so, daß eine Hälfte der Stirn, meist die rechte, vom Haar bedeckt ist.

Mütter hingegen tragen den „Mutterscheitel", der genau in der Mittellinie verläuft und dem Witwenscheitel frommer Israelitinnen gleicht. Zu beiden Seiten des Scheitels liegt das Haar glatt an.

Den „Vaterkragen" bereiten sich die Mädchen selbst, indem sie aus einem Stück Leinewand und einem Stück Papier geschickt einen Stehkragen formen, aus den dann Muttchen den Namen, der nicht selten ins Männliche übertragen wird (z. B. Willy, Max, Elch, Fritze), einstickt.

3m Krankenhause tragen lesbische Paare oft gleiche Abzeichen, z. B. Zehnpfennig-Vroschen, in Freiheit sieht
        
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