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VII. Über Dirnentum und weibweibl

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

VII. Nber Dirnentum und weib-weibliches Liebrsleüen.

Ein Teil der Dirnen besteht aus Urninden, d. h. aus Mädchen, die niemals eine Neigung zum männlichen Geschlechte empfanden, dagegen stets, falls sie geschlechtlich erregt wurden, sich zu einem weiblichen Wesen hingezogen fühlten. Sie bilden nur einen geringen Bruchteil der lesbischen Dirnen, d. h. derjenigen Dirnen, die überhaupt weibweiblich sich betäügen. Ich schätze die Zahl der Urninden aus ein bis höchstens zwei vom Hundert der Berliner Dirnen, wenn ich unter Dirnen Mädchen verstehe, deren Lebenswandel die Sittenpolizei zum Einschreiten veranlaßte.

Solche prostituierten Urninden sind meiner Erfahrung nach leichtlebig, nicht selten geistig hervorragend begabt, dabei ohne Gefühl für die herkömmliche Sittlichkeitsanschauung. Die Preisgabe den Männern gegenüber betreiben sie mit einer Kaltblütigkeit, die selbst in Dirnen-kreisen hervorragt; Männer, die sich einbilden, jedes Mädchen, sei es mit Geld, sei es durch ihre angenommene Unwiderstehlichkeit, zu besiegen, verlieren an solche urnische Dirnen viel Geld. Andererseits gibt es weichliche Männer, denen gerade das barsche, schroffe Auftreten der Urninden gefällt und welche darum in Männerhüten und -kragen, männlich zugeschnittenem Zacket und männlich derben Schütten auftretende Mädchen zuweilen bevorzugen.

Aus der größten Berliner Dirnenstaüon fanden sich während meiner ärztlichen Tätigkeit bei einem Tages-bestande von etwa 160 kranken Mädchen ständig etwa ein bis drei Urninden.
        
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