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7. Carola Metzger, Fürsorgezögling. (Nr. 35 meiner Akten)

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

82 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins.

des Leiftendrüsenschnittes litt, mit zärtlicher Kraft und liebevoller Besorgnis die Operierte zum Verbandsaal geleitete (ein Bild, das meines Erachtens wert gewesen wäre, von künstlerischer Hand dauernd festgehalten zu werden), hatte sie im Herbst selbst tagelang das Bett zu hüten. Ihre Gesichtszüge zeigten die qualvollen Furchen der schwer Unterleibskranken Frau, die früher kraftstrotzenden Muskeln der Arme und der Beine waren schwächer geworden. Die Stimmung wurde immer gereizter; die Hautfarbe, früher ein frisches Rot auf sonnen-gebräuntem Grunde, verwandelte sich in das helle Gelb der Leberkranken. Die Arreststrafen, in die sie wegen ihres abweisenden schroffen Benehmens verfiel, trugen auch nicht zur Förderung ihrer Gesundheit bei, und als sie den dritten Geburtstag in Erziehungshaft zuzubringen gezwungen war, raffte sie, die schon häufiger tage- und wochenlang das Bett hüten mutzte, sich zu einer gereizten Demonstration gegen das System der Erziehungshast auf.

Johlend, schreiend, lärmend wollten die Zöglinge beweisen, wie wertlos die Erziehungshaft (gewöhnlich nach den Absichten „Fürsorgeerziehung" genannt) sei.

Als die Pflegerinnen Ordnung schaffen wollten, ertönten Schnadahüpfeln aus dem Saale, wie

Der Hausvater ist 'n Ochse,

Frau Oberin 'ne Kuh,

Die Pflegerinnen alle Sind's Rindvieh dazu.

Zweiundfünfzig Fensterscheiben wurden zerbrochen. Die Nähmaschine wurde zertrümmert und zum Fenster hinausgeworfen.

Vor dem Hause der Anstalt lagen Tausende von Glasscherben.

Die Handschrift ist gut schattiert (kräftige, scharf abgetönte Grundstriche); die Buchstaben liegen in einem
        
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