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7. Carola Metzger, Fürsorgezögling. (Nr. 35 meiner Akten)

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

7. Carola Metzger, Fürsorgezögling.	81

Über ihre Absichten äußerte sie:

„Wenn ich hier 'rauskomme, will ich möglichst bald in Freiheit. Wenn ich hier entlassen werde, werde ich mir meine Freiheit schon suchen.

Dann werde ich mir meine Freundin wieder aufsuchen, wenn sie noch hier ist. Wenn nicht: Jeder Mann ist zu ersetzen."

Als sie mir dies erzählte, war sie achtzehn Iahre und zwei Monate alt.

Noch auf unserer Station im Krankenhause legte sie sich eine Freundin an, der sie bald untreu wurde, um einer neuen nachzustellen. Als sie geheilt war, kam sie in ein Stift, entsprang den Schwestern und ging in Berlin aus den Strich. Ihre alte Freundin, die Vortänzerin, traf sie zwar nicht, wohl aber hatte sie bald wieder eine neue Freundin. Nach kurzer Zeit wurde sie von der Polizei aufgegriffen und von neuem erkrankt in Zwangsbehandlung eingeliefert.

Auf der Fürsorgeabteilung des Fröbelkrankenhauses setzte sie das begonnene Leben fort.

Aus dem stattlichen, schönen Mädchen, das ich als Kellnerin zuerst gesehen, aus dem kräftigen Körper des Fürsorgezöglings war ein geschwächtes, nervöses, abgehärmtes Wesen geworden. Die Hetzjagd vom Stift in die Freiheit, die ewige Verfolgung durch die Beamten der Sittenpolizei, die Qualen der Lustseuche hatten sie geknickt.

Während sie mit achtzehn Jahren im Hochsommer, als sie rieben ihrer kleineren Freundin die frische Lust des engen Gefängnishofes genoß (für die Fürsorgezöglinge des städtischen Obdachs jedesmal eine besondere Freude, da sie oft Wochen hindurch nicht die Sonne, ja kaum ein Stückchen blauen Himmel zu sehen bekamen), noch immer Kräftig und gesund aussah, während sie noch im Sommer, als ein junges Mädchen,vielleicht eine Freundin, unter den Qualen

Grotzstadt-Dokumente Bd. 20.	6
        
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