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VI. Gleichgeschlechtliche Frauenliebe als Enthaltsamkeitsstörung

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

VI. Gleichgeschl. Frauenliebe als Enthaltsamkeitsstörung. 75

käfigartig. Die liebevolle Sorgfalt der Anstaltsleiter ließ dann Zimmerchen statt der Saalkäfige entstehen. Jedes Mädchen wurde nachts in sein Zimmer eingeschlossen. In Notfällen konnte es klingeln, so daß die Pflegerin öffnen konnte.

Eine weitere Entwicklungsstufe stellen Zellengruppen dar, die es ermöglichen, etwa ein halbes Dutzend Zelltüren auf einmal zu öffnen, so daß die Feuergefahr geringer wird.

Am den Mädchen noch weiter entgegenzukommen, hat neuerdings eine Anstalt unverschlossene Zimmerchen bauen lassen, die nachts mit elektrischer Leitung verbunden sind, so daß die Pflegerin elektrisch geweckt wird, falls sich die Mädchen Besuche abstatten wollen. Die Zimmertüren bleiben jedoch unverschlossen.

2. Am die unzüchtigen Schreibereien und Unter-haltungen zu bekämpfen, wird den Mädchen Papier nur zu bestimmten Zwecken belassen. Nicht gefestigte Zöglinge sind den ganzen Tag unter Aufsicht.

3. Durch völlige Enthaltsamkeit im Männer- und Frauenverkehre (selbst das Küssen der Zöglinge durch Pflegerinnen wird jetzt vermieden, und die Pflegerinnen sind meistens Diakonissinnen oder katholische Schwestern, die mannweiblichen Verkehr nicht üben) suchen die Erzieherinnen ein gutes Beispiel zu geben.

4. Durch Gewöhnung an regelmäßige Arbeit sollen die Mädchen auf andere Gedanken gebracht werden. Neuerdings ist der Anfang mit Handwerkserlernung gemacht, indem geeignete Mädchen als Schneiderinnen ausgebildet werden oder Maschinenschreiben und Kurzschrift erlernen.

5. A,n dem Gemütsleben Rechnung zu tragen, herrscht ein frommer Geist in den meisten Anstalten. Nicht zu überschwängliche Andachtsübungen find keine Qual, sondern eine Wohltat für Erziehungshäftlinge und andere Gefangene. Mit der weltlichen Erklärung „geistig minderwertig" 'oder mit der materialistischen Behauptung „zum Nutzen der Allgemeinheit" ist dem Bedürfnisse des Herzens und des Verstandes nicht genügt.

6. Bestrafungen wegen lesbischer Liebesbetätigung werden aus diese Weise fast unmöglich, da die Gelegenheit zur groben Anzucht dieser Art mangelt.
        
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