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VI. Gleichgeschlechtliche Frauenliebe als Enthaltsamkeitsstörung

Full text: Die Tribadie Berlins / Hammer, Wilhelm

74 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Die Tribadie Berlins.

In der Tat sind diese Bedingungen vor unsern Augen erfüllt, und der Erfolg ist auch entsprechend den Bedingungen. Viele moderne Fürsorgeanstalten bieten alle Bedingungen zur Erzeugung der weibweiblichen Liebe. Allerdings ist die Abtötung der weiblichen Liebe zum Manne beabsichtigt, das Entstehen der weibweiblichen Liebe unbeabsichtigte Nebenwirkung.

Welches sind nun günstige Bedingungen für das Entstehen der gleichgeschlechtlichen Liebe?

Sinnlich veranlagte Mädchen (erste Bedingung) werden von jeglichem Verkehr mit der Männerwelt ausgeschlossen (zweite Bedingung). Diese Ausschließung findet lange Zeit, oft Jahre lang statt (dritte Bedingung). Unter den Mädchen finden sich Urninden (vierte Bedingung).

Unter diesen Bedingungen entwickelt sich die gleichgeschlechtliche Liebe üppig, so üppig, daß selbst Pflegerinnen, die doch in der Urlaubzeit Gelegenheit haben, sich dem Männerverkehre zu widmen, nicht ganz von ihr verschont zu bleiben scheinen. Wenigstens erschien vor nicht allzu-langer Zeit ein Artikel in einer Tageszeitung, der von gleichgeschlechtlichen Beziehungen zwischen Pflegerin und Zögling in einer Fürsorgeanstalt handelt. Während nun aber die Pflegerinnen nur in den seltensten Fällen die platonischen Grenzen wesentlich überschreiten dürften, sind die gröbsten Formen der lesbischen Liebesbetätigung unter den Zöglingen keine Seltenheit.

In welch erschreckenden Maße solche Beziehungen bestanden, werde ich im Abschnitt „Dirnentum und gleichgeschlechtliche Liebesbetätigung" näher zeigen.

Was tun nun die Fürsorgeanstalten zur Bekämpfung des Äbelstandes?

1. Zur Vermeidung lesbischer Betätigung werden die Mädchen nachts in Einzelzellen untergebracht, tagsüber jedoch beaufsichtigt. Diese Einzelzellen waren anfangs
        
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